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Die Geheimnisse von Bagamoyo: vom Zentrum des Sklavenhandels zum kulturellen Kleinod Tansanias

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Bagamoyo ist eine historische Küstenstadt am Indischen Ozean in Tansania, offiziell Ende des 18. Jahrhunderts gegründet. Mit der Ankunft arabischer Siedler entwickelte sich der Ort zu einem wichtigen Handelszentrum. Während der deutschen Kolonialzeit befand sich hier die Verwaltung, von der aus die Deutschen ihre Kolonien in Ostafrika führten. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahmen die Briten Bagamoyo, und die Bedeutung der Stadt als strategischer Handelsplatz nahm schrittweise ab. Heute ist Bagamoyo Hauptstadt des gleichnamigen Distrikts in der Region Pwani – ein ruhiger Ort, UNESCO-Welterbestätte und reich an kulturellem sowie architektonischem Erbe.

Geschichte der Stadt Bagamoyo

Die Stadt entstand am Standort der alten Swahili-Siedlung Kaole, deren Ursprünge bis ins 8. Jahrhundert zurückreichen. Zwischen dem 8. und 9. Jahrhundert begannen Araber, die als "Shirazi" bekannt waren, sich hier niederzulassen. In dieser Phase bestand der grösste Teil der Bevölkerung Bagamoyos aus lokalen Bauern und Fischern. Die Araber handelten mit Fisch, Salz und GummiGummi ist eine natürliche Substanz, die Bestandteil von Pflanzensaft und Baumharz ist und infolge mechanischer Beschädigungen oder bestimmter Krankheiten ausgeschieden wird. In der Industrie wird dieses hochmolekulare Kohlenhydrat als Verdickungsmittel, Stabilisator und Emulgator verwendet., doch Bagamoyo blieb zunächst ein kleines, kaum bedeutendes Hafendorf.

Der nächste wichtige Schritt in der Entwicklung der Stadt folgte im 14. Jahrhundert. Auf der Flucht vor der mongolischen Invasion, die die arabische Stadt Shiraz erfasst hatte, erreichten zahlreiche Shirazi-Flüchtlinge die ostafrikanische Küste.

Bagamoyos Bedeutung begann jedoch erst 4 Jahrhunderte später deutlich zu wachsen. Im 18. Jahrhundert machten arabische Händler die Stadt zu einem strategisch wichtigen Zentrum – zum Endpunkt jener Route, auf der Karawanen mit versklavten Menschen aus dem Landesinneren ankamen. Wohlhabende muslimische Familien liessen sich in Bagamoyo nieder, führten Steuern ein und handelten mit Salz, das an der Nunge-Küste nahe der Stadt gewonnen wurde.

Für den Namen der Stadt gibt es mehrere Deutungen aus dem Swahili. Eine Theorie besagt, dass "Bagamoyo" "Leg dein Herz nieder" bedeutet – ein Hinweis auf die versklavten Menschen, die ihre Heimat für immer verliessen. Eine andere Auslegung versteht den Namen als "Gönn dir Ruhe", weil die Stadt für Tausende Träger und Karawanen der Endpunkt war, an dem sie sich nach einem langen, erschöpfenden Weg erstmals ausruhen konnten.

Im 19. Jahrhundert kolonisierten die Deutschen die Region und machten Bagamoyo zu ihrer Hauptstadt. Die Stadt wurde zu einem wichtigen Verwaltungszentrum, von dem aus die deutschen Kolonialbehörden ihre ostafrikanischen Kolonien steuerten. Bagamoyo blieb jedoch nur 2 Jahre Hauptstadt. Der flache Hafen entsprach den Bedürfnissen der Kolonialverwaltung nicht, deshalb wurde die Verwaltung nach Dar es Salaam verlegt.

Während des Ersten Weltkriegs verlor die deutsche Reichsregierung alle ihre Kolonien. Bagamoyo kam unter britische Kontrolle und verlor nach und nach seinen Status als wichtiges Handels- und Verwaltungszentrum. Die Stadt wurde wieder vor allem von Fischern und kleinen Händlern bewohnt; die koloniale Architektur verfiel und verwandelte sich teilweise in Ruinen.

Strasse in Bagamoyo, 1906. Quelle: Wikimedia Commons, Deutsches Bundesarchiv
Strasse in Bagamoyo, 1906. Quelle: Wikimedia Commons, Deutsches Bundesarchiv
Dieselbe Strasse im Jahr 2023. Autor: Mangapwani, Wikimedia
Dieselbe Strasse im Jahr 2023. Autor: Mangapwani, Wikimedia

Einst gehörte der lokale Hafen zu den wichtigsten Handelshäfen der gesamten ostafrikanischen Küste. Er war die letzte Station für Karawanen mit versklavten Menschen und Elfenbein, die zu Fuss vom Tanganjikasee hierhergebracht wurden. Von Bagamoyo aus wurden sie nach Sansibar transportiert und anschliessend in verschiedene Teile der Welt verschifft. Heute ist Bagamoyo eine ruhige, überschaubare Stadt mit einer vielschichtigen Geschichte, an die einige deutsche Kolonialbauten erinnern.

Anreise nach Bagamoyo

Die Stadt liegt 75 km nördlich von Dar es Salaam an der Küste des Sansibar-Kanals, gegenüber der Insel Sansibar. Ab Dar es Salaam verkehren mehrmals täglich Busse vom zentralen Busbahnhof. Alternativ können Sie ein Taxi nehmen. Die Fahrzeit mit dem Auto liegt je nach Verkehrsaufkommen zwischen 1 und 3 Stunden.

Viele internationale Fluggesellschaften fliegen Dar es Salaam an, darunter Air Tanzania, Kenya Airways, flydubai, Emirates, Turkish Airlines, American Airlines, Air India, British Airways, Air Canada, Japan Airlines, Air France und weitere. 

Der wichtigste Flughafen von Dar es Salaam ist der Julius Nyerere International Airport (DAR/HTDA).

Historisches Erbe von Bagamoyo

Die koloniale Vergangenheit der Stadt hat ihr Erscheinungsbild nachhaltig geprägt. Einige Baudenkmäler sind bis heute erhalten und geben Einblick in die Geschichte Ostafrikas.

Ruinen von Kaole

Das Dorf Kaole, offiziell Pumbuji genannt, zählt zu den ältesten Orten der Region. Als Shiraz, die Herkunftsstadt arabischer Einwanderer, im 13. Jahrhundert von den Mongolen angegriffen wurde, flohen viele an die ostafrikanische Küste. Die Ruinen von Kaole erinnern an diese Zeit. Sie liegen rund 5 km östlich von Stone Town – dem historischen Zentrum von Bagamoyo und einem Nationaldenkmal Tansanias.

Das älteste Bauwerk an diesem Ort – die Überreste einer islamischen Moschee – stammt aus dem 13. Jahrhundert und markiert die Gründung von Kaole. Einige Historiker gehen davon aus, dass es sich um die erste Moschee auf dem ostafrikanischen Festland handelte, errichtet von Shirazi-Siedlern.

Im nördlichen Teil der Moschee befinden sich alte Grabstätten, darunter 2 grosse Grabsteine mit Koraninschriften aus dem 14. Jahrhundert.

Unter den Grabsteinen befindet sich das bekannte Doppelgrab, das als "Grab der Liebe" gilt. Dort ruht ein Paar, das nach einem Schiffbruch auf der Reise von Sansibar nach Bagamoyo ertrank. Ebenfalls hier liegt das "Heilige Grab", ein Grabstein mit pyramidenförmigem Dach, um den sich Geheimnisse und Legenden ranken. Es heisst, wer hier beim Äussern eines Wunsches ein Opfer darbringt, dessen Wunsch geht in Erfüllung. Wird der Wunsch erfüllt, muss man jedoch nach Bagamoyo zurückkehren, das "Heilige Grab" erneut besuchen und aus Dankbarkeit ein weiteres Opfer darbringen.

Das Museum gibt Besuchern Einblick in die Geschichte der Stadt im Zusammenhang mit dem einst florierenden Sklavenhandel. Es befindet sich in einem alten Gebäude, das im 19. Jahrhundert als Gästehaus für Sklaven- und Elfenbeinhändler diente, und zeigt eine ungewöhnliche Verbindung islamischer und ostafrikanischer Architekturstile.

Das 2-stöckige Gebäude wurde in den 1860er-Jahren von Said Magran Awadh, einem arabischen Händler und Besitzer von Kokosplantagen, errichtet. Heute beherbergt es alte Münzen und keramische Haushaltsgegenstände, die mehrere Jahrhunderte überdauert haben. Besucher sehen zudem weitere historische Artefakte, die in die schwierige Zeit arabischer Vorherrschaft und des Sklavenhandels in der Region führen.

Old Fort

Ein alter Steinbau aus dem Jahr 1856 war Teil eines Forts, das 1890 in den Besitz eines bekannten indischen Händlers überging. 1894 verpachtete er das Fort an die deutsche Kolonialverwaltung, die es als Garnison nutzte.

Nach dem Ersten Weltkrieg wandelten die Briten das Gebäude in ein Gefängnis um. Nach der Unabhängigkeit diente es bis 1992 als Polizeistation. Heute befinden sich im Old Fort der Hauptsitz und das Ausbildungszentrum des Department of Antiquities.

Boma

Ein ehemaliges Kolonialgebäude, das zwischen 1895 und 1897 als Residenz der deutschen Bezirksverwaltung errichtet wurde. Im Inneren des monumentalen 2-stöckigen Baus mit 2 hohen Türmen lagen grosszügige Konferenzräume, Säle, Küchen, Badezimmer und Lagerräume.

Auch nach der Unabhängigkeit diente das Gebäude unter lokalen Behörden weiterhin als Bezirksverwaltung von Bagamoyo. Später wurde es wegen seines schlechten Zustands aufgegeben. 1998 brachte ein heftiger Regenguss die Fassade mit dem Balkon zum Einsturz und verschlechterte den Zustand weiter.

Von 2009 bis 2016 war das Gebäude für Restaurierungsarbeiten geschlossen. Derzeit steht die Boma leer, ihre Zukunft ist ungewiss.

Alter Markt

Während der arabischen Ansiedlung befand sich hier der lokale Sklavenmarkt. Nach einigen unbestätigten Berichten wurden versklavte Menschen bei Flut durch einen verborgenen unterirdischen Tunnel am Zoll vorbeigebracht und zum grossen Markt auf Sansibar weitergeschickt. Ein unterirdischer Durchgang, der dies bestätigen würde, wurde jedoch nicht gefunden.

Heute befindet sich an dieser Stelle mit Unterstützung des Bagamoyo Arts and Cultural Institute ein Kunstmarkt. Am Institut werden tansanische Malerei, Bildhauerei, Theater, Tanz und Trommeln unterrichtet. Hier können Sie Gemälde, Keramik und andere Werke lokaler Kunsthandwerker erwerben – eine Möglichkeit, ein Stück ostafrikanischer Geschichte mit nach Hause zu nehmen.

Katholische Mission – die älteste in Ost- und Zentralafrika

Die katholische Mission von Bagamoyo wurde 1868 gegründet. Das Land für ihren Bau wurde von Muslimen unter Sultan Majid den "Fathers of the Holy Spirit" geschenkt. Hier stand einst die älteste katholische Kirche Ost- und Zentralafrikas; später wurde sie abgebrochen, nur ein Turm blieb als Gedenkstätte erhalten. An diesem Ort wurde der Leichnam von David LivingstoneDavid Livingstone war ein schottischer Missionar und Afrikaforscher. Er gehörte zu den ersten westlichen Stimmen, die sich für die schwarze Bevölkerung Afrikas einsetzten, und glaubte an die Zukunft afrikanischer Völker sowie an ihre Fähigkeit, sich in die Weltgemeinschaft zu integrieren. Städte, die nach ihm benannt wurden, sind unter anderem Livingstonia in Malawi und Livingstone in Sambia. aufbewahrt, bevor er nach Grossbritannien überführt wurde.

Livingstone starb am 1. Mai 1873 nahe dem Dorf Chitambo, unweit des von ihm entdeckten Bangweulusees. Seine afrikanischen Begleiter balsamierten den Leichnam mit Salz ein und brachten ihn nach Bagamoyo. In 9 Monaten legten sie dabei rund 1'500 km zurück. Von dort wurde sein Körper nach Grossbritannien überführt und am 18. April 1874 mit Ehren in der Westminster Abbey bestattet. Auf seinem Grabstein steht: "Brought by faithful hands over land and sea, here rests David Livingstone, missionary, traveler, and philanthropist…"

Auf dem Missionsgelände steht eine grosse katholische Kirche, die zwischen 1910 und 1915 erbaut wurde. Sie besitzt eindrucksvolle Altarbilder mit Szenen aus der Geschichte der Sklaverei, dazu kommen ein Missionsdenkmal, ein Friedhof und eine Pilgerkapelle. Zu den weiteren Gebäuden zählt das Old Fathers' House, ein 3-stöckiger Bau mit breiten Balkonen im vorkolonialen Missionsstil.

Das Old Fathers' House ist dringend sanierungsbedürftig, besonders seit im August 2009 die Hauptfassade einstürzte. Das katholische Museum befindet sich heute in einem benachbarten Gebäude.

Die Mission erstreckt sich über ein weitläufiges Areal, das über eine schöne lange Allee erreichbar ist. Dazu gehören eine heilige Grotte, eine katholische Sekundarschule für Mädchen, ein katholisches Spital, eine Schreinerei, ein Lehrerseminar und ein alter Friedhof mit den Gräbern der ersten Missionare.

Jedes Jahr pilgern Tausende Katholiken aus ganz Tansania über die bekannte Mango Avenue zur Mission – ein von Menschen geschaffenes Denkmal, das den Kampf gegen die Sklaverei symbolisiert. Dokumentierten Angaben zufolge wurde die Allee 1870 von befreiten ehemaligen Sklaven angelegt.

Das grösste und wichtigste Kulturfestival auf dem tansanischen Festland

Bagamoyo veranstaltet jedes Jahr ein bedeutendes 7-tägiges Kunstfestival, meist im Oktober oder November. Das lebendige Programm umfasst Musik, Tanz, Theateraufführungen, Akrobatik und Kunstausstellungen. Teilnehmende sind Dutzende Kreativgruppen aus Tansania, anderen afrikanischen Ländern und sogar Europa.

Das Festival besteht seit 1982 und wurde erstmals 1 Jahr nach der Gründung des Bagamoyo Arts and Cultural Institute durchgeführt. Seit 1986 gilt es als wichtiges internationales Ereignis im Kunstbereich.

Alter Beobachtungsposten auf einem Baobab

Eine schlichte, aber bemerkenswerte Sehenswürdigkeit ist ein alter Baobab, der deutschen Soldaten bis zur Ankunft der britischen Armee als Beobachtungsposten diente. Der Baum steht auf einem kleinen Hügel nahe dem Institut für Kunst und Kultur am südlichen Stadtausgang. Bis heute führen robuste Eisenstufen hinauf zu einer Aussichtsplattform in seiner Krone.

Unterkünfte in Bagamoyo

Lazy Lagoon Island Lodge

Eine von einem britischen Unternehmen geführte Hotelanlage mit 12 Bungalows im tansanischen Stil auf einem privaten, abgeschlossenen Areal. Jeder Bungalow verfügt über Klimaanlage und Veranda; WLAN ist verfügbar. Zur Anlage gehören ein Pool, Kajakverleih, Windsurfen, Schnorcheln, Angeln und Tauchmöglichkeiten.

Firefly

Dieses Resort liegt im Zentrum von Stone Town in einem restaurierten alten Gebäude, das ursprünglich 1850 von Arabern errichtet wurde. Gäste schätzen die authentische Zimmergestaltung, den hochwertigen Service und das zuverlässige WLAN. Freitags gibt es Livemusik, dazu eine offene Bar sowie Souvenirgeschäfte, Bars und Restaurants in der Nähe.

Die Eigentümer von Firefly engagieren sich im Umweltschutz und gründeten Bagamoyo Beach Lovers, eine NGO, die Strandreinigungen organisiert, Abfalleimer aufstellt und Umweltschulungen für Mitarbeitende und Einheimische durchführt.

Travellers Lodge

Diese Anlage umfasst 13 Strand- und 12 Gartenbungalows, verteilt über ein grosses Areal. Alle verfügen über Warmwasser und Moskitonetze; einige haben Klimaanlage und Veranda. WLAN ist in der Haupthalle und im Restaurant verfügbar. Die Lodge liegt in einem Palmengarten mit rund 130 Palmenarten aus aller Welt und bietet einen schönen Sandstrand mit Blick auf den Hafen.

Bomani Beach Bungalows

Dieses von einem norwegischen Unternehmen geführte Resort umfasst 7 Doppelbungalows mit Meerblick und einige Doppelzimmer im Hauptgebäude mit Blick auf Strand und Garten. Zudem gibt es einen Bungalow mit 3 Zimmern für Familien oder Gruppen. Alle Unterkünfte verfügen über Klimaanlage und WLAN; dazu kommen ein privater Strand, ein Restaurant und eine Bar.

Oceanic Bay Hotel & Resort

Ein grosses Hotel mit allen Annehmlichkeiten für einen angenehmen Aufenthalt inmitten tropischer Gärten. Es verfügt über einen der grössten Swimmingpools in Bagamoyo. Zur Anlage gehören über 80 Standardzimmer, 6 Suiten mit Balkon oder Veranda, mehrere Konferenzsäle und ein Fitnesscenter. Vor Ort gibt es ein Internetcafé und 2 grosse Restaurants. Alle Zimmer sind mit Klimaanlage, Telefon und WLAN-Routern ausgestattet.

Veröffentlicht am 18 November 2024 Überarbeitet am 26 Mai 2026
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Über den Autor
Yana Khan

Yana ist Autorin bei Altezza Travel und arbeitet seit 2015 im journalistischen Umfeld. Vor ihrem Wechsel in unser Team war sie als Redaktorin in der Medienbranche tätig.

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