Die bekanntesten Reiserouten führen durch die nördlichen und südlichen Nationalparks des Landes, die in Tansania zu den am besten untersuchten Hotspots für Vogelartenvielfalt gehören. Dazu zählen die populären Serengeti und Ngorongoro, der seit Hemingways Zeit bekannte Manyara-See, ein Nationalpark rund um den Kilimandscharo sowie im Süden Mikumi, Selous und Nyerere zusammen mit den weitläufigen Wildnisgebieten des Ruaha-Nationalparks. Daneben gibt es in Tansania jedoch auch weniger erforschte und selten besuchte Orte. Das heisst nicht, dass Reisende, die sich für Birdwatching in Tansania interessieren, dort nichts vorfinden.
Im Nordwesten des Landes liegen zahlreiche artenreiche Lebensräume, die Tausende von Vögeln verschiedener Arten anziehen. Wasser prägt diese Gebiete: von den Kagera-Seen mit ihren Sümpfen über lokale Flüsse, die den Viktoriasee speisen, bis zum enormen See selbst, mit Papyrusbeständen und dicht bewaldeten Inseln. Vor einigen Jahren richtete die tansanische Regierung hier mehrere neue Nationalparks ein. Für sie liegen bis heute noch keine vollständigen Artenlisten vor. Diese Schutzgebiete brauchen engagierte Birdwatcher, die bereit sind, auf Birdwatching-Reisen in Tansania zur Erforschung der bemerkenswerten lokalen Vogelwelt beizutragen.
Burigi-Chato-Nationalpark
Direkt beim Viktoriasee, dem grössten See Afrikas, liegt der Burigi-Chato-Nationalpark. Er umfasst grosse Flächen und ist gemessen an seiner Ausdehnung der sechstgrösste Nationalpark Tansanias. Er reicht vom Seeufer bis an die Grenze zu Ruanda. Das Gebiet ist von hügeligem, bewaldetem Gelände geprägt. Hinzu kommen Flüsse und der eindrucksvoll lange Burigi-See. Seine Länge lässt sich nicht ganz präzis angeben: Je nach Wasserstand liegt sie zwischen 18 und 30 km. Solche Schwankungen sind in diesem Teil Afrikas häufig, da viele Gewässer zwischen gefülltem Zustand und Austrocknung wechseln. Der See, die Flüsse mit ihren Überschwemmungsebenen und die dauerhaften Sumpfgebiete machen diesen Ort für Vögel attraktiv.
Mehrere Schuhschnäbel (Balaeniceps rex) wurden hier beobachtet, und es wird vermutet, dass sie in diesen Gebieten brüten könnten. Dieser einzelgängerische Vogel bevorzugt schwer zugängliche Sumpflandschaften. Für Tansania liegen keine gesicherten Bestandsdaten vor; jeder Ort, an dem er je gesichtet wurde, weckt bei Birdwatchern entsprechend grosses Interesse. Der Burigi-Chato-Nationalpark gehört zu den wenigen geeigneten Standorten, an denen dieser seltene Vogel möglicherweise nistet.
Es gibt Berichte über Sichtungen des Rotmasken-Bartvogels (Lybius rubrifacies) in diesem Gebiet. Diese Vögel haben ein begrenztes Verbreitungsgebiet und kommen nur in diesem Teil Tansanias sowie in Nachbarländern vor. Man findet sie in Wäldern oder in Grasland mit einzelnen Bäumen. Rotmasken-Bartvögel leben oft paarweise oder in kleinen Familiengruppen. Über sie ist noch wenig bekannt, weshalb die Beobachtung ihres Verhaltens besonders interessant sein kann. Auch der Miombo-Steinschmätzer (Monticola angolensis) und Arnotschmätzer (Myrmecocichla arnotti), die normalerweise deutlich weiter südlich vorkommen, wurden im Nationalpark beobachtet.
Diese weiten Gebiete sind ein geeigneter Lebensraum für den Wachtelkönig (Crex crex) und die Doppelschnepfe (Gallinago media). Zumindest nutzen diese Zugvögel das Gebiet des Nationalparks als Rastplatz auf ihren langen Flügen. Die Doppelschnepfe ist bekannt für ihre ausserordentliche Zugleistung und legt enorme Distanzen ohne Pause zurück. Ihre Migration umfasst eine Spannweite von 4'000 bis 7'000 km, die sie im Durchschnitt in 3 Tagen bewältigt. Sie fliegt nicht nur oft mehrere Tausend Kilometer ohne Zwischenhalt, sondern erreicht dabei auch eine bemerkenswerte Geschwindigkeit. Doppelschnepfen gelten als eine der schnellsten Zugvogelarten und erreichen bis zu 97 km/h. Zudem könnten sie den Höhenrekord halten: Ein Vertreter dieser Art wurde auf 8'700 m ü. M. beobachtet. Es ist erstaunlich, dass ein so kleiner Vogel zu solchen Leistungen fähig ist.
Checklisten für dieses Gebiet nennen Schwarzstirn-Drosslinge (Turdoides sharpei) – laute Vögel, die in Trupps Büsche und hohes Gras besetzen – sowie Halsbandfrankoline (Scleroptila streptophora), die grasige, felsige Hügel bevorzugen. Wie alle Frankoline fliehen sie rasch, sobald sie Gefahr wahrnehmen; diese Art gilt jedoch als besonders scheu. Man geht davon aus, dass sie am frühen Morgen am ehesten zu entdecken ist.
Der Burigi-Chato-Nationalpark bestand bis vor Kurzem aus den Burigi-, Biharamulo- und Kimisi-Wildreservaten. In vielen Quellen wird das Gebiet noch immer in dieser älteren Form beschrieben. Bemerkenswert ist, dass es für diesen Teil Tansanias keine umfassenden Vogelartenlisten gibt und das Gebiet nur wenig erforscht ist. Dokumentiert sind erst einige Dutzend Arten, obwohl ein derart vielfältiger Lebensraum eine deutlich höhere Zahl an Vogelarten erwarten lässt. Wahrscheinlich liegt die Artenzahl hier nahe bei 400. Es bleibt zu hoffen, dass diese wenig erforschten Gebiete in den kommenden Jahren mehr Reisende anziehen, darunter engagierte Birdwatcher. So lässt sich die Vogelwelt im Nordwesten Tansanias besser verstehen.
Die Feuchtgebiete des Kagera-Flusses
Im Nordwesten Tansanias, entlang der Grenze zu Ruanda, fliesst mit dem Kagera einer der längsten Flüsse des Landes. Er gilt als der am weitesten entfernte Quellfluss des Nilsystems. Der Fluss gibt sowohl der tansanischen Region als auch dem Nationalpark Akagera im benachbarten Ruanda seinen Namen. Fast auf seinem gesamten Verlauf bildet der Kagera eine weite Überschwemmungsebene mit Sümpfen; das gesamte Einzugsgebiet umfasst 60'000 km². Schliesslich ist der Kagera der grösste Zufluss des Viktoriasees. In diesem Gebiet liegen zudem mehrere Seen. Diese Fülle an Wasserlebensräumen zieht naturgemäss zahlreiche Vogelarten an.
2019 wurden nahe dem Kagera-Fluss 3 Nationalparks eingerichtet: Burigi-Chato, Rumanyika-Karagwe und Ibanda-Kyerwa. Die Erforschung der Tier- und Pflanzenwelt in diesen Gebieten läuft weiter, Safarirouten werden entwickelt, und touristische Infrastruktur ist in Planung. Die detaillierte Erforschung dieser Region, einschliesslich ornithologischer Studien, steht also noch bevor. Damit besteht die seltene Möglichkeit, zu den ersten Beobachtern der Vogelwelt im Westen Tansanias zu gehören, westlich des Viktoriasees. Der ruandische Akagera-Nationalpark dient als anschauliches Beispiel: Er besteht seit fast einem Jahrhundert, gilt als einer der bedeutendsten Parks entlang des Nilsystems und ist reich an Birdwatching-Hotspots. Es ist zu erwarten, dass auch der tansanische Teil der Kagera-Überschwemmungsebene in den kommenden Jahren mehr Aufmerksamkeit erhält. Derzeit ist die Vogelwelt dieser Orte nur wenig untersucht und lediglich allgemein als wichtiges Vogelgebiet in den Sümpfen des Kagera-Flusses beschrieben.
Das Vorkommen des Papyrus-Gelbkehlchens (Calamonastides gracilirostris) ist in diesem Gebiet dokumentiert. Dieser Vogel ist in Ostafrika relativ selten und kommt ausschliesslich in Papyrus- und Schilfbeständen vor, wie sein Name bereits nahelegt. Ein weiterer Rohrsänger, der Grosse Sumpfrohrsänger (Acrocephalus rufescens), trägt einen ähnlich anmutenden Namen, ist jedoch deutlich auffälliger und wesentlich weiter verbreitet. Zwischen dem Papyrus-Gelbkehlchen und anderen Arten gibt es gewisse Ähnlichkeiten, doch einzelne Merkmale helfen bei der Unterscheidung: eine grünlichere Oberseite, ein breiterer Schnabel sowie schlanke Beine und ein schmaler Schwanz. Auch der Gesang unterscheidet sich deutlich und kann für die Artbestimmung entscheidend sein. Bei ähnlichen Arten ist eine sorgfältige Beobachtung daher besonders wichtig.
Auch der Schuhschnabel (Balaeniceps rex) wurde hier beobachtet, wenn auch selten und in geringer Zahl. Es wird vermutet, dass in diesen Gebieten mehr Individuen vorkommen. Die Bekassine (Gallinago media) wurde ebenfalls nachgewiesen, allerdings nur vereinzelt. Der Papyruswürger (Laniarius mufumbiri) hingegen kommt fast entlang des gesamten Kagera-Verlaufs vor. Er ist ein auffälliger Vogel mit einer gelben "Kappe" auf dem Kopf; Brust und Bauch werden als leuchtend rosa-orange beschrieben. Seine Rufe, darunter Pfeif- und Knarrlaute, helfen dabei, ihn in den Papyrusbeständen zu lokalisieren.
Bekannt ist auch, dass in den Kagera-Sümpfen der Weissflügel-Sumpfsänger (Bradypterus carpalis) aus der Familie der Locustellidae sowie der Papyrusgirlitz (Crithagra koliensis) aus der Familie der Finken leben. Letzterer baut seine Nester direkt an Papyrusstängeln und nutzt dafür die Blätter dieser Pflanze. Schon die Namen zeigen, wie stark viele Vögel der Region von der Vegetation abhängen, die entlang des Kagera-Flusses vorherrscht.
Minziro Forest Reserve
Weiter nördlich, nahe der Grenze zu Uganda, liegt auf einem Hochland ein wichtiges Waldreservat. Mehr als 200 Vogelarten wurden hier nachgewiesen, darunter mehrere Dutzend Arten, die eher für die Wälder Ugandas als für Tansania typisch sind. Es ist einer jener Orte mit tatsächlich besonderen Lebensräumen.
Hier lässt sich der Woodhouse-Ameisenpicker (Parmoptila woodhousei) beobachten, der normalerweise am anderen Ende des Kontinents vorkommt und zum Biom West- und Zentralafrikas gehört. Auch der Lappenschnäpper (Megabyas flammulatus) wurde in den lokalen Wäldern gesichtet. Ebenfalls interessant ist der Dunkle Langschwanzkuckuck (Cercococcyx mechowi). Die Westküste des Viktoriasees ist der einzige Ort in Tansania, an dem diese Art beobachtet werden kann.
Eine der besten Entdeckungen für Birdwatcher ist der Riesenturako (Corythaeola cristata). Dieser auffallend schöne Vogel lässt sich kaum angemessen beschreiben; man möchte ihn mit eigenen Augen sehen. Im Vergleich zu anderen Turako-Arten ist er zudem leichter zu beobachten, da seine Flugfähigkeit begrenzt ist und er oft von Ast zu Ast hüpft. Leider ist bekannt, dass in ländlichen Gebieten der Demokratischen Republik Kongo sein Fleisch gegessen wird.
Der Prachtnektarvogel (Cinnyris superbus) kann eine weitere besondere Sichtung in diesem Waldreservat sein. Neben dieser Art kommen hier 5 weitere Nektarvogelarten vor. Ein weiterer farbenreicher Vogel des Gebiets ist der Weissbauchzwergfischer (Corythornis leucogaster). Auch der Grauwangenhornvogel (Bycanistes subcylindricus) beeindruckt selbst erfahrene Vogelbeobachter. Dieser grosse, waldbewohnende Hornvogel wird besonders von fruchttragenden Bäumen angezogen, vor allem von Feigen.
Wichtig ist, nicht nur in die Äste zu schauen, sondern auch auf den Boden. In Minziro gibt es interessante Vögel, die von Würmern, Weichtieren und Blutegeln angezogen werden. Die Perlbrustralle (Sarothrura pulchra) etwa streift auf Nahrungssuche durch das Unterholz, während der Lathamfrankolin (Peliperdix lathami) ein heimlicher und eher scheuer Vogel ist.
Im Minziro-Wald begegnet man vielen weiteren schönen und ungewöhnlichen Arten. In dieser kurzen Übersicht können wir sie nicht alle nennen, deshalb beschränken wir uns auf einige Arten, die in diesem Gebiet vorkommen: Rotkopfmalimbe (Malimbus rubricollis), Gelbbauch-Langschnabel (Macrosphenus flavicans), Rotbauch-Paradiesschnäpper (Terpsiphone rufiventer) und sogar den unter Vögeln wohl besten Lautimitator der Welt, den Graupapagei (Psittacus erithacus). Letzterer ist dafür bekannt, nicht nur komplexe Laute nachzuahmen, sondern sie auch mit Objekten und sogar Begriffen wie Farben und Zahlen zu verknüpfen – ein Hinweis auf seine hohe Intelligenz.
Wer diesen nordwestlichen Teil Tansanias erkundet, sollte im Blick behalten, dass hier viele Vogelarten vorkommen, die traditionell eher mit Zentral- und sogar Westafrika verbunden werden. Genau das macht die Region zu einem besonderen und fachlich spannenden Gebiet für Birdwatching.
Rubondo-Island-Nationalpark
Über den Viktoriasee sind zahlreiche Inseln verteilt, darunter Rubondo Island nördlich des Emin-Pasha-Golfs. Zusammen mit rund einem Dutzend kleinerer Inseln und den umliegenden Gewässern bildet sie den Rubondo-Island-Nationalpark. Die Insel ist für ihren dichten Waldbestand bekannt. Eine dauerhafte Siedlung gab es hier nie, und sie beherbergt eine grosse Vielfalt an Vögeln und Schmetterlingen, deren Artenreichtum weitgehend unbeeinflusst von menschlicher Besiedlung geblieben ist. Es heisst, im Nationalpark kämen mehr als 400 Vogelarten vor.
Neben dem Regenwald auf der 26 km langen Hauptinsel gibt es wichtige Vogelgebiete wie Papyrussümpfe, die von Dattelpalmen umgeben sind, dazu Wiesen und sogar Sandstrände. Dennoch sind bis zu 90 % des Nationalparks bewaldet. Flüsse gibt es auf der Insel nicht, und der Boden ist vulkanischen Ursprungs, da die Insel im Wesentlichen aus 4 vulkanischen Hügeln besteht.
Hier lassen sich Goliathreiher (Ardea goliath) beobachten, benannt nach ihrer Stellung als grösste Reiherart. Sie erreichen eine beeindruckende Höhe von 152 cm. Auf der Hauptinsel lebt zudem eine grosse Kolonie von Schreiseeadlern (Haliaeetus vocifer). Besucher des Parks berichten, dass ihre raubvogelartigen Rufe fast ständig über dem Wald zu hören sind. Es wird angenommen, dass Rubondo Island weltweit eine der dichtesten Populationen dieser markanten Adler beherbergt.
Im Nationalpark findet man zahlreiche Heilige Ibisse (Threskiornis aethiopicus), Vögel, die im Alten Ägypten eine besondere religiöse Bedeutung hatten, jedoch stark verfolgt wurden, was zu einem erheblichen Bestandsrückgang führte. Sie galten als heilig und wurden dem Gott Thot geopfert. Historische Schätzungen gehen davon aus, dass in jener Zeit bis zu 8 Millionen Ibisse getötet wurden. Heute hat sich die Art erholt; ihr weltweiter Bestand liegt zwischen 200'000 und 450'000 Individuen und gilt nicht mehr als unmittelbar bedroht.
Unter den weiteren Wasservögeln der Insel lassen sich Riedscharben (Microcarbo africanus) beobachten. Diese Kormorane sind für ihre ausgeprägte Tauchfähigkeit bekannt, mit der sie auf der Suche nach Beute in grössere Tiefen vordringen. Genau diese Eigenschaft macht sie jedoch zu direkten Konkurrenten der Fischer, die sie oft kritisch sehen. Auch Kormorane (Phalacrocorax carbo) kommen in diesem Gebiet vor und erweitern die vielfältige Vogelgemeinschaft der Insel.
Im Rubondo-Island-Nationalpark lassen sich verschiedene Greifvögel im Flug beobachten, darunter Schreiseeadler und Graubrust-Schlangenadler (Circaetus cinerascens). Auch Wasservögel wie Küstenreiher (Egretta dimorpha) kommen vor. Der Park beherbergt Nördliche Braunkehlweber (Ploceus castanops) sowie mehrere weitere Weberarten.
Einer der schönsten Vögel hier ist der Rotbrust-Nektarvogel (Cinnyris erythrocercus), der erstmals vom deutschen Zoologen Gustav Hartlaub beschrieben wurde, bekannt für seine Arbeit zu exotischen Vogelarten. Seine Beiträge zur Ornithologie umfassen die Beschreibung Hunderter neuer Vogelarten und die Mitbegründung des Journal of Ornithology im Jahr 1853. Heute tragen einige Vogelarten seinen Namen, um seinen Beitrag zur Ornithologie zu würdigen.
Auch der Graupapagei (Psittacus erithacus) kommt auf der Insel vor. Grundsätzlich handelt es sich für Rubondo um eine eingeführte Art, wie bei den meisten grossen Tieren, die hier leben. Die Tiere wurden bereits Mitte der 1960er-Jahre auf die Insel gebracht. Einer der Ersten, die daran beteiligt waren, war der Zoologe und engagierte Tierschützer Bernhard Grzimek, Autor des Buches "Serengeti Shall Not Die". Bei den Graupapageien geschah dies im Jahr 2000, als 34 Vögel dieser Art aus den Händen von Wilderern gerettet und auf der Insel freigelassen wurden.
Auf ebird.org sind für diesen Standort weniger als 100 Arten aufgeführt. Bisher wurden jedoch erst 9 Checklisten eingereicht. Wir gehen davon aus, dass in diesem artenreichen Inselnationalpark noch deutlich mehr Arten entdeckt werden können.
Viktoriasee: Golf von Mwanza
Zu den wichtigen Vogelgebieten am Viktoriasee gehören neben Inselgruppen auch mehrere Buchten und angrenzende Flächen. In der Regel sind sie alle nur wenig untersucht, und umfassende Vogelartenlisten fehlen. Dazu zählen die Bunda Bay nahe der Serengeti, die weiter nördlich gelegene Mara Bay und die Mwanza Bay mit der gleichnamigen Grossstadt.
In diesen Gebieten kommen viele Vogelarten vor, insbesondere Wasservögel. Wegen der begrenzten Datenlage beschreiben wir diese Buchten und die Bumbire-Inseln hier nicht im Detail. Stattdessen halten wir kurz bei der Mwanza Bay inne, um den Blick auf die Region als Ganzes und auf einzelne Standorte am Viktoriasee zu lenken.
Das wichtige Vogelgebiet umfasst einen Teil der Bucht, mit Papyrus überwachsene Uferzonen sowie kleine Inseln im See, darunter die grösste Insel namens Juma. Besonders auffällig sind hier die Bestände von Kormoranen (Phalacrocorax carbo) und Riedscharben (Microcarbo africanus), die Hunderte oder sogar Tausende Individuen zählen. Zudem gibt es Nachweise von mehreren Tausend Seidenreihern (Crinifer zonurus).
Zum lokalen wichtigen Vogelgebiet gehört auch die kleine Insel Saanane, die zusammen mit 2 benachbarten Inselchen den kleinsten Nationalpark Tansanias bildet: den Saanane-Island-Nationalpark. Er umfasst etwas mehr als 2 km². Praktisch ist seine Lage innerhalb der Stadtgrenzen von Mwanza. Im Park leben mehr als 100 Vogelarten.
Unter den interessantesten Arten lässt sich der Östliche Graulärmvogel (Crinifer zonurus) nennen. Er besitzt zwar nicht das farbenreiche Gefieder der Turakos, ist aber dennoch ein eigenständiger, schöner Vogel mit leuchtend gelbem Schnabel und ausdrucksvollem Verhalten. Auch der Klaaskuckuck (Chrysococcyx klaas) fällt mit bronzenen und glänzend grünen Farbtönen auf. Er legt seine Eier in die Nester anderer Arten, häufig von Nektarvögeln. Klaas, nach dem die Art benannt wurde, war übrigens kein Wissenschaftler und auch kein vermögender Expeditionsförderer, sondern ein einfacher Assistent, ein Die Khoekhoen sind nomadische indigene Bevölkerungsgruppen im südwestlichen Afrika. Ihre Sprache ist älter als die Bantusprachen. der das Typusexemplar fand. Der Ornithologe François Levaillant war ein französischer Ornithologe und Afrikaforscher, der im 18. Jahrhundert eine lange Reise durch den Süden des Kontinents unternahm. Er war ein neugieriger Wissenschaftler, ein Bewunderer von Schönheit und ein leidenschaftlicher Jäger. Während seiner Reisen im südlichen Afrika verliebte sich Levaillant in eine junge Frau aus dem Volk der Khoekhoe und hielt ihre Annäherung in seinen Notizen fest. Diese Texte beeinflussten frühe südafrikanische Romane, in denen Beziehungen zwischen Europäern und afrikanischen Frauen eine Rolle spielten. Der Franzose nannte sie Narina, was in der Sprache der Khoekhoe "Blume" bedeutet. Später beschrieb er eine neue Vogelart und benannte sie nach seiner Geliebten: Apaloderma narina, auch bekannt als Narina-Trogon. François Levaillant gilt als Pionier des Reiseberichts und als Erneuerer jenes Reisestils, der später als Safari bekannt wurde, auch wenn er den Begriff "Safari" selbst nicht prägte. Das Wort stammt aus dem Swahili und kam erst nach seiner Zeit in Gebrauch. betrachtete ihn als Freund und wollte seinen Namen in der Geschichte bewahren.
Unter den lokalen Nektarvögeln lassen sich der Wechselnektarvogel (Cinnyris venustus) und der Scharlachbrust-Nektarvogel (Chalcomitra senegalensis) nennen. Neben Nektar umfasst ihre Nahrung verschiedene Insekten, Spinnen, Heuschrecken und Raupen. Am besten angepasst sind sie jedoch an die Aufnahme von Nektar: Ihr geringes Gewicht erlaubt es ihnen, leicht von Blüte zu Blüte zu flattern und vor bevorzugten Blüten zu schweben; ihre langen, gebogenen Schnäbel mit scharfer Spitze helfen ihnen, den Nektar zu erreichen und bei Bedarf Blütenblätter zu durchstechen. Die langen, röhrenförmigen Zungen dieser kleinen Vögel sind speziell auf das Aufsaugen von Nektar ausgelegt. Das gilt für alle Nektarvögel. Auf der Insel leben zudem einige weitere Arten.
Der Kuckucksweber, auch Kuckucksfink genannt (Anomalospiza imberbis), ist ein weiterer interessanter Vogel, dem man hier begegnen kann. Er kommt in vielen Teilen Afrikas vor, wurde jedoch zuerst hier in Tansania entdeckt und beschrieben, an der Küste gegenüber von Sansibar. Kuckucksweber heisst er, weil er wie Kuckucke seine Eier in fremde Nester legt. Zu seinen Wirten gehören häufig Prinien, kleine Vögel aus der Familie der Cisticolidae. Und wie reagieren diese Wirte darauf? Ihre eigenen Eier haben sich rasch weiterentwickelt und ihre Färbung verändert, damit die Eltern sie von den Eiern der Brutparasiten unterscheiden können. Interessanterweise haben sich auch die Eier der Kuckucksfinken angepasst: Die parasitischen Vögel legen inzwischen Eier, die den veränderten Farben der Wirtseier ähneln. Es ist eine faszinierende evolutive Wechselwirkung, die in den vergangenen Jahrzehnten beobachtet wurde.
Auf den Inseln des Saanane-Island-Nationalparks finden sich viele weitere interessante Vögel, ebenso entlang des gesamten tansanischen Ufers des Viktoriasees. Ein gutes Beispiel ist ein Standort, der laut ebird.org zu den 15 wichtigsten Hotspots in Tansania zählt, mit 400 erfassten Vogelarten: eine der Lodges nahe der Speke Bay. Die Bucht wurde übrigens nach John Speke war ein bekannter englischer Entdecker und unermüdlicher Afrikareisender. Mitte des 19. Jahrhunderts unternahm er 3 Expeditionen durch den damals für Europäer kaum kartierten Kontinent, auf der Suche nach der Quelle des Nils. Durch seine Unternehmungen erfuhren Europäer von den 3 Grossen Seen Afrikas und von der tatsächlichen Quelle des Nils: dem Viktoriasee und seinem Zufluss, dem Kagera. dem europäischen Entdecker benannt, der den Viktoriasee als Quelle des Nils identifizierte.
Bei den weiteren, weniger gut erforschten Birdwatching-Standorten in Tansania, die wir in diesem Artikel beschrieben haben, darf die geringe Datenlage auch als Einladung verstanden werden, diese fachlich spannenden und vogelreichen Orte zu erkunden und zu den frühen Beobachtern zu gehören.
Wer die interessantesten Birdwatching-Standorte in anderen Teilen des Landes kennenlernen möchte, findet in unserem Übersichtsartikel "Tansania: Top 10 Orte für Birdwatching" eine gute Grundlage.
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