Der Norden Tansanias ist weltweit ein bekanntes Reiseziel für Vogelbeobachter. In früheren Beiträgen haben wir die vielfältigen Vogelarten in der Serengeti und im Ngorongoro, in den Nationalparks Manyara und Tarangire sowie die eindrucksvolle Vogelwelt der Nationalparks Arusha und Kilimandscharo nahe der Stadt Arusha vorgestellt. In diesem Artikel richten wir den Blick auf die südlichen Gebiete, die sowohl professionelle Ornithologen als auch engagierte Birdwatcher auf Vogelreisen durch Tansania anziehen.
Der Süden Tansanias ist geprägt von weiten, trockenen Ebenen und Flussauen, dazu kommen mehrere erloschene Vulkane und vergleichsweise niedrige Gebirgszüge, die zum Nyasa-See, auch Malawi-See genannt, abfallen. Bemerkenswert ist die Nähe sehr unterschiedlicher Landschaften: eine der trockensten Regionen des Landes liegt unweit des niederschlagsreichsten Gebiets Tansanias. Erstere umfasst das weite Umfeld des Great Ruaha River, Letzteres die südöstlichen Hänge der Bergkette um Mount Rungwe. Hinzu kommt ein grosser Stausee, der zahlreiche Wasservögel anzieht. Für eine Vogelreise nach Tansania eröffnen diese Gebiete anspruchsvolle und lohnende Beobachtungsmöglichkeiten mit Hunderten von Arten.
Nationalpark Ruaha
Der Nationalpark Ruaha ist nach dem Nationalpark Nyerere der zweitgrösste Nationalpark Tansanias. Er umfasst ein weites, trockenes Gebiet im südlichsten Teil der Massai-Steppe. Am westlichen Ufer des Great Ruaha River gelegen, der trotz geringer Niederschläge nur selten austrocknet, gilt Ruaha als eines der trockensten Schutzgebiete des Landes. Der Park besteht aus Ebenen mit bewaldeten Bereichen im Süden und Westen.
Im Nationalpark leben schätzungsweise 400 bis 500 Vogelarten. Eine genaue Zahl ist schwierig, da vor allem die für Reisende zugänglichen Hauptgebiete gut untersucht sind, während grosse Regionen abseits von Lodges und Gäste-Camps ornithologisch noch wenig erschlossen sind. Ruaha hat damit erhebliches Potenzial als besonders interessantes Gebiet für Birding.
Ruaha beherbergt Populationen tansanischer Endemiten wie Ashy Starling (Lamprotornis unicolor) und Yellow-collared Lovebird (Agapornis personatus). Weitere Arten, die in Tansania als endemisch gelten und in Ruaha beobachtet werden können, sind Tanzanian Red-billed Hornbill (Tockus ruahae) und Tanzanian Masked Weaver (Ploceus reichardi).
Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass der Tanzanian Masked Weaver auch in Sambia vorkommt und der Ashy Starling in Kenia beobachtet wurde. Auch beim Tanzanian Red-billed Hornbill, dessen wissenschaftlicher Name auf Ruaha verweist, besteht keine vollständige Einigkeit. Nicht alle Ornithologen betrachten ihn als eigenständige Art; in einzelnen Klassifikationen wird er als Unterart des Northern Red-billed Hornbill (Tockus erythrorhynchus) geführt. Dieser Northern Red-billed Hornbill diente übrigens als Vorbild für den bekannten Vogel Zazu aus dem Disney-Film The Lion King. Der Yellow-collared Lovebird wiederum wurde in das benachbarte Burundi und nach Kenia eingeführt. Die Frage der Endemität bleibt bei diesen Arten daher offen. An der Schönheit der Vögel selbst, die Birdwatcher weiterhin fasziniert, ändert das nichts.
Neben diesen Arten zieht Ruaha grosse Schwärme von Abdim's Storks (Ciconia abdimii) und White Storks (Ciconia ciconia) an. Ein weiterer interessanter Vogel ist der White-crowned Lapwing (Vanellus albiceps) mit gelben Hautlappen im Gesicht. Er ist dafür bekannt, sein Nest und seine kleinen Küken lautstark und erfolgreich gegen Eindringlinge zu verteidigen, selbst gegen grosse ungebetene Gäste wie Flusspferde.
Zu den auffälligen Sichelhopfen im Nationalpark Ruaha gehört der Abyssinian Scimitarbill (Rhinopomastus minor). Sein violettblaues Gefieder schimmert in der Sonne, der gebogene orange Schnabel ist schon aus einiger Entfernung zu erkennen. In Buschsavannen fällt auch der Usambiro Barbet (Trachyphonus darnaudii) auf, dessen wissenschaftlicher Name auf den Afrikaforscher Joseph Pons d'Arnaud verweist. Für Birdwatcher sind Beobachtungen des White-headed Buffalo Weaver (Dinemellia dinemelli) und des Black-capped Social Weaver (Pseudonigrita cabanisi) reizvoll; Letzterer wurde erstmals vom Afrikaforscher Gustav Fischer beschrieben.
Zu den schönsten Vögeln Ruahas zählen Purple Grenadier (Granatina ianthinogaster), White-bellied Go-away-bird (Crinifer leucogaster), European Roller (Coracias garrulus) und Little Bee-eater (Merops pusillus). Der Name verweist auf seine geringe Grösse: Er ist der kleinste Vertreter der afrikanischen Bienenfresser und erreicht höchstens 17 cm Körperlänge. Erwähnenswert ist auch der Grey-headed Silverbill (Spermestes griseicapilla), den man vor allem in Wassernähe suchen sollte.
Der Black-faced Sandgrouse (Pterocles decoratus), der in dornigem Buschwerk interessant zu verfolgen ist, geht optisch fast im Savannenboden auf. Der männliche Steel-blue Whydah (Vidua hypocherina) ist ein besonders auffälliger Vogel. In der Paarungszeit bildet er einen langen Schwanz aus und erreicht damit eine Länge von 31 cm. Mindestens 6 weitere Whydah-Arten mit bemerkenswert langen Schwanzfedern wurden hier ebenfalls beobachtet. Dazu gehört etwa der Broad-tailed Paradise Whydah (Vidua obtusa), dessen Körperlänge mit Schwanz oft 36 cm beträgt.
Einer der faszinierendsten Greifvögel in Ruaha ist Eleonora's Falcon (Falco eleonorae). Der Falke ist nach Eleonora d'Arborea benannt, einer bedeutenden europäischen Herrscherin des 14. Jahrhunderts, die für ihre für die damalige Zeit aussergewöhnliche Menschlichkeit bekannt war. Dazu gehörte auch ein Gesetz zum Schutz von Greifvögeln auf Sardinien. Eleonora's Falcon brütet im Mittelmeerraum und zieht zum Überwintern vor allem nach Madagaskar und auf benachbarte Inseln. Auf dieser Reise machen die Falken in Tansania Halt, insbesondere in den trockenen Regionen des Südens.
Die Zugrouten dieser Falken wurden seit den 1950er-Jahren während vieler Jahre diskutiert. Inzwischen ist das Verständnis ihrer Flugwege deutlich präziser geworden, einschliesslich der Unterschiede zwischen den Routen von Männchen und Weibchen sowie von jungen und adulten Vögeln. Dennoch bleibt es bemerkenswert, europäische Vögel auf ihrem Weg nach Madagaskar im Winterzug zu sehen, wenn sie in den trockenen Landschaften Südtansanias Rast machen.
Mtera-Stausee
Nordöstlich des Nationalparks Ruaha liegt ein weitläufiger Stausee mit einer Fläche von bis zu 660 km². Er entstand 1975 durch die Aufstauung des Ruaha River. Am Grund des Stausees blieben viele abgestorbene Bäume stehen, Schätzungen sprechen von über 1 Million. Diese Stellen ziehen zahlreiche Wasservögel an, die in den toten Bäumen geeignete Nistplätze finden.
Zu den im Stausee nistenden Vögeln gehören Great Cormorants (Phalacrocorax carbo), die man häufig mit ausgebreiteten Flügeln in der Sonne sitzen sieht, sowie African Darters (Anhinga rufa), auch Snakebirds genannt. Wie Kormorane besitzen diese Schlangenhalsvögel kein Öl, das ihr Gefieder vor Nässe schützt; entsprechend sieht man sie oft am Wasser sitzen und die Flügel im Wind trocknen.
Unter den Wasservögeln am Mtera-Stausee fällt der Grey Heron (Ardea cinerea) als unersättlicher Jäger auf, der beinahe alles frisst, was er fangen kann. Er lockt Beute mit unterschiedlichen Methoden aus dem Wasser: Er wirft mit seinen weit ausgebreiteten Flügeln Schatten, bewegt das Wasser nahe dem Ufer, setzt seine Beine schnell ein und nimmt gelegentlich auch anderen Vogelarten die Beute ab. Reiher werden ihrerseits häufig Ziel von Greifvögeln, etwa von African Fish-eagles (Haliaeetus vocifer). Diese kräftigen Adler jagen ein breites Spektrum an Wasserlebewesen, kleineren Vögeln, Reptilien und einigen Säugetieren. Dokumentiert sind Angriffe auf Schildkröten, Warane und sogar kleine Krokodile, ebenso auf Hasen, Affen und Dikdik-Antilopen.
Der Stausee ist Lebensraum von Hunderttausenden Barn Swallows (Hirundo rustica). Auch African Spoonbills (Platalea alba) mit ihren langen, spatelförmigen Schnäbeln sind hier zu sehen, wenn sie sich seitlich durchs Wasser bewegen und Weichtiere, Krebstiere, Insekten, Larven und kleine Fische aufnehmen.
In der Nähe des Stausees liegt ein grosses Feuchtgebiet, das ebenfalls einen Blick lohnt, um White-faced Whistling Duck (Dendrocygna viduata) und Fulvous Whistling Duck (Dendrocygna bicolor) zu finden. Ihren Namen tragen sie wegen ihrer pfeifenden Rufe. Diese Enten können sowohl am Boden als auch in Bäumen nisten.
African Jacanas (Actophilornis africanus) werden in dieser Region häufig beobachtet, auffällig durch ihre sehr grossen Füsse und Krallen. Diese Merkmale helfen ihnen, sich geschickt auf der Oberfläche von Wasserpflanzen zu bewegen. Das kastanienbraune Gefieder macht sie im Wasser gut sichtbar. Ein weiterer vom Wasser angezogener Vogel ist die Spur-winged Goose (Plectropterus gambensis). Bemerkenswert ist ihre Giftigkeit: Der Verzehr ihres gegarten Fleisches kann für Menschen tödlich sein. Diese Eigenschaft hängt mit ihrer Nahrung zusammen, zu der Ölkäfer gehören, deren Aussenhüllen das organische Gift Cantharidin enthalten.
Häufige Arten in diesen Gewässern sind Knob-billed Ducks (Sarkidiornis melanotos), Red-billed Teals (Anas erythrorhyncha) und African Pygmy Geese (Nettapus auritus) mit metallisch grünen Rücken. Letztere interessieren sich vor allem für die Samen von Seerosen. Diese Pflanzen gelten daher als guter Hinweis, wo Zwerggänse zu suchen sind.
Usangu-Ebenen
Südlich des Nationalparks Ruaha liegt eine Auenlandschaft mit regelmässigen Überflutungen an zahlreichen Stellen, mehreren dauerhaften Feuchtgebieten und Reisfeldern. Der Wasserreichtum zieht eine grosse Vielfalt an Vogelarten an und begründet die Anerkennung als wichtiges Vogelgebiet. In der Region finden sich Akaziengruppen, Miombo-Wälder und sogar Baobabs. Daneben gibt es viele offene, nährstoffarme Graslandweiden.
Für dieses Gebiet sind über 400 Vogelarten verzeichnet. Besonders Wasservögel werden von den Reisfeldern angezogen, darunter Fulvous Whistling Duck (Dendrocygna bicolor), der gefährdete Grey Crowned Crane (Balearica regulorum) und Spur-winged Goose (Plectropterus gambensis).
Auf diesen Ebenen lassen sich White-crowned Lapwing (Vanellus albiceps), Caspian Plover (Charadrius asiaticus), Black-winged Stilt (Himantopus himantopus), Glossy Ibis (Plegadis falcinellus), African Openbill (Anastomus lamelligerus), Yellow-billed Stork (Mycteria ibis), Rufous-bellied Heron (Ardeola rufiventris), Squacco Heron (Ardeola ralloides) als markanter Nachtjäger, Little Egret (Egretta garzetta) sowie weitere Bewohner von Tieflandwiesen und Feuchtgebieten beobachten.
Die Usangu-Ebenen gelten als einzig bekannter Lebensraum in Ostafrika für eine grössere Kolonie von Black-winged Pratincoles (Glareola nordmanni). Diese Vögel stammen aus den Steppen Osteuropas, Kasachstans und Russlands und ziehen während der Wintermonate nach Afrika. Ihre Bestände gehen leider zurück; derzeit werden sie als potenziell gefährdet eingestuft. Auch der Wattled Crane (Grus carunculata), der häufig in Reisfeldern vorkommt, gilt als gefährdet. Die Great Snipe (Gallinago media), bekannt für ihre weiten Nonstop-Züge, nutzt diese Ebenen als Winterquartier nach der Reise aus Nordeuropa.
Usangu gilt als der einzige Ort in Tansania, an dem 4 Coucal-Arten vorkommen: Coppery-tailed (Centropus cupreicaudus), Black (Centropus grillii), Senegal (Centropus senegalensis) und White-browed (Centropus superciliosus). Letzterer ist dafür bekannt, bei Grasbränden zur Jagd hervorzukommen und Insekten zu fangen, die vor dem Feuer fliehen.
Mindestens 2 in Tansania endemische Arten kommen hier vor: Ashy Starling (Lamprotornis unicolor) und Yellow-collared Lovebird (Agapornis personatus).
Denham's Bustard (Neotis denhami) kann vom benachbarten Kitulo-Plateau hierherfliegen. Beobachtungen deuten darauf hin, dass verkohlte Weideflächen diese Trappen anziehen. Sie jagen Schlangen, Nagetiere und Insekten, fressen gelegentlich Küken anderer Vögel sowie Pflanzen. Manchmal folgen sie Huftieren, da deren Kot für sie interessant ist: Denham's Bustards fressen gerne Dungkäfer.
Kitulo-Plateau
Das Kitulo-Plateau im Süden Tansanias liegt auf Höhen zwischen 1'800 und 2'961 m ü. M. Es besteht überwiegend aus Bergwiesen und zeigt eine grosse Bandbreite an kräftigen Farben. 2005 wurde hier ein gleichnamiger Nationalpark eingerichtet, der erste tropische afrikanische Park, der dem Schutz der Pflanzenwelt gewidmet ist. Bekannt ist der Park besonders für 45 Orchideenarten und insgesamt 350 Arten blühender Pflanzen.
Das Plateau umfasst 3 Waldreservate und eine Milchfarm. Die genaue Zahl der Vogelarten ist noch nicht bekannt und erfordert weitere Untersuchungen. Der Nationalpark auf dem Plateau verzeichnet wegen des geringen Bestands an grossen Tieren vergleichsweise wenige Besucher. Für Birdwatcher sollte dieses Gebiet dennoch nicht übersehen werden, denn es besitzt seinen eigenen Reiz.
Zu den Vogelarten des Plateaus gehört Denham's Bustard (Neotis denhami), ein seltener Savannenvogel. In den Wintermonaten suchen Pale oder Pallid Harrier (Circus macrourus) und Lesser Kestrel (Falco naumanni) in dieser Region Zuflucht. Zudem ist die Rufous-naped Lark (Mirafra africana) auf Kitulo heimisch. Dieser Vogel ist für seine bemerkenswerte Toleranz gegenüber nahen Beobachtern bekannt.
Ebenfalls auf dem Plateau beobachtet wurden Short-tailed Pipit (Anthus brachyurus), Shelley's Francolin (Scleroptila shelleyi) und Common Quail (Coturnix coturnix).
Das Plateau ist Lebensraum der Angola Swallow (Hirundo angolensis), eines schönen Vogels mit stahlblau gefärbtem Gefieder. 2 bemerkenswerte grosse Greifvögel in diesem Gebiet sind Augur Buzzard (Buteo augur) und Lanner Falcon (Falco biarmicus). Der Augur Buzzard jagt Ratten und Echsen, während der Lanner Falcon andere Vögel im Flug schlägt.
Weitere interessante Arten sind Churring Cisticola (Cisticola njombe), Montane Widowbird (Euplectes psammacromius) und Kipengere Seedeater, auch Tanzania Seedeater genannt (Crithagra melanochroa), der als endemisch für das Land gilt.
Mount Rungwe
In unmittelbarer Nähe des Kitulo-Plateaus erhebt sich Mount Rungwe, bedeckt von tropischen Wäldern. Dieser erloschene Vulkan erreicht eine Höhe von nahezu 3'000 m. Dank reichlicher Niederschläge mit einem Jahresmittel von bis zu 3 m bilden die südöstlichen Hänge dieses Bergkomplexes die niederschlagsreichste Region Tansanias. Das umliegende wichtige Vogelgebiet umfasst 3 bedeutende Waldareale sowie mehrere kleinere Waldreservate.
An den Hängen des Rungwe finden mehrere interessante Vogelarten ihren Lebensraum, darunter Dusky Turtle Dove (Streptopelia lugens), Montane Nightjar (Caprimulgus poliocephalus), Mountain Buzzard (Buteo oreophilus), Moustached Tinkerbird (Pogoniulus leucomystax) und Bar-tailed Trogon (Apaloderma vittatum).
In den Bergwäldern des Rungwe lebt eine grosse Zahl von Vögeln, darunter Chapin's Apalis (Apalis chapini) und Mountain Yellow-Warbler (Iduna similis). Dieser Warbler gedeiht, wie sein Name nahelegt, in subtropischen und tropischen Bergwäldern und ernährt sich bevorzugt von Insekten, besonders von Fliegen.
Der Slender-billed Starling (Onychognathus tenuirostris) zieht mit seinem eleganten, spitz zulaufenden Schwanz und dem auffälligen blauschwarzen Gefieder der Männchen Aufmerksamkeit auf sich, das im Sonnenlicht stark glänzt. Ein weiterer Bewohner des Gebiets ist Kenrick's Starling (Poeoptera kenricki). Sein Hauptlebensraum liegt zwar im zentralen Tansania, doch er kommt auch an verschiedenen Orten in Kenia vor.
In diesen Gebieten leben weitere bemerkenswerte Vogelarten, darunter Orange Ground Thrush (Geokichla gurneyi), Montane Widowbird (Euplectes psammacromius), Baglafecht Weaver (Ploceus baglafecht), Red-faced Crimsonwing (Cryptospiza reichenovii) und Oriole Finch (Linurgus olivaceus). Diese Arten kommen typischerweise in bewaldeten Bereichen vor. Zu den auffälligen Bewohnern des Rungwe zählen Forest Double-collared Sunbird (Cinnyris fuelleborni) und Bronze Sunbird (Nectarinia kilimensis). Diese Nektarvögel ernähren sich von Blütennektar, Insekten und Spinnen. Erwähnenswert ist, dass Nektarvögel häufig als afrikanisches Gegenstück zu südamerikanischen Kolibris und australischen Honigfressern beschrieben werden.
Umalila-Berge
Westlich und südlich des erloschenen Vulkans Rungwe liegen mehrere Waldreservate. Diese Schutzgebiete wurden durch intensive landwirtschaftliche Nutzung stark beeinträchtigt. Dennoch bleibt die Region Lebensraum für zahlreiche Vogelarten, auch wenn das gesamte Ausmass der Artenvielfalt noch nicht vollständig erforscht ist.
Das Gebiet ist geprägt von steilen Hügeln mit fragmentierten Waldflächen. Zu den Bewohnern zählen Olive-flanked Ground Robin (Cossypha anomala) und African Hill Babbler (Sylvia abyssinica); Letzteren erkennt man häufig an seinen melodischen Trillern in der dichten Vegetation. Die lokalen Wälder bieten Lebensraum für Shelley's Greenbul (Arizelocichla masukuensis) und Orange Ground Thrush (Geokichla gurneyi). Bemerkenswert ist, dass Olive Thrush (Turdus olivaceus) in den Umalila-Wäldern beobachtet wurde, obwohl ihr typischer Lebensraum eher im südlichen Afrika liegt. Ein interessanter Aspekt der Olive Thrush ist ihre Fähigkeit, die Gesänge anderer Vögel nachzuahmen.
Zu den bemerkenswerten Beobachtungen in den Umalila-Bergen gehören Vogelarten, die innerhalb Tansanias vergleichsweise kleine Bestände aufweisen. Meldungen solcher Beobachtungen sind besonders wertvoll. Dazu zählen Southern Brown-throated Weaver (Ploceus xanthopterus) und Brown Firefinch (Lagonosticta nitidula). Beide Arten sind auch für engagierte Vogelbeobachter mit Kamera reizvolle Motive.
In diesem Gebiet wurden Sichtungen des Green Barbet (Stactolaema olivacea) dokumentiert. Diese geselligen Vögel treten in Gruppen von bis zu 8 Individuen auf und ermöglichen Beobachtungen ihres sozialen Verhaltens. In der Nähe von Bächen im Hochland kann man Bertram's Weaver (Ploceus bertrandi) antreffen. Black Sawwings (Psalidoprocne pristoptera) halten sich bevorzugt nahe bei Gewässern auf, oft paarweise oder in grösseren Gruppen. Sie sind meist leise und fliegen häufig knapp über dem Kronendach, was eine nähere Beobachtung oder gute Aufnahme anspruchsvoll macht.
Während der kühlen Jahreszeit im südlichen Afrika lässt sich mit etwas Glück die Pearl-breasted Swallow (Hirundo dimidiata) antreffen. Diese Schwalben ziehen aus den südlichen Teilen des Kontinents in die Umalila-Berge, die den nördlichsten Rand ihres Verbreitungsgebiets markieren.
Wer den Blick von den Umalila-Bergen nach Osten richtet, findet das Udzungwa-Gebirgssystem, bekannt für seine endemische Tier- und Pflanzenwelt. Ein weiterer Artikel behandelt die lokale Vogelwelt von Udzungwa sowie jene im Selous. Westlich von Ruaha und den Usangu-Ebenen warten ebenfalls interessante Ziele, darunter der Rukwa-See und der Nationalpark Katavi, die für Birdwatcher sehr empfehlenswert sind. Eine umfassende Übersicht der besten Vogelbeobachtungsgebiete Tansanias finden interessierte Birdwatcher in unserem Guide "Tansania: Top 10 Orte für Vogelbeobachtung".
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