Wo in Afrika können Sie Schnee sehen und Temperaturen erleben, die bis auf −20 °C fallen? Von Marokkos alpiner "Kleiner Schweiz" bis zu den eisbedeckten Gipfeln des Kilimandscharo: Hier liegen die kältesten Orte des Kontinents.
Zu den kältesten Ländern Afrikas zählen Lesotho, Marokko, Südafrika, Äthiopien und Tansania sowie die Hochlandregionen Ugandas und der Demokratischen Republik Kongo. In vielen Regionen dieser Länder fallen die Temperaturen regelmässig unter 0 °C, fast jeden Winter liegt Schnee, und selbst Gletscher sind noch zu sehen. Wie kann es auf dem heissesten Kontinent der Welt solche Kälte geben?
Der Grund liegt in der Geografie: Afrika besteht nicht nur aus Wüsten und Savannen, sondern auch aus weitläufigen Gebirgssystemen, von denen viele auf über 4'000–5'000 m ü. M. ansteigen. Hoch in den Bergen begegnen einem Frost, Schnee und alpine Landschaften – selbst nahe am Äquator.
In diesem neuen Artikel stellen wir die 6 kältesten Länder Afrikas vor, deren Klima oft an Nordeuropa erinnert.
1. Lesotho: offiziell das kälteste Land Afrikas
Lesotho ist ein besonderes Land, denn sein gesamtes Staatsgebiet liegt über 1'400 m ü. M. Die durchschnittliche Höhe beträgt rund 2'160 m ü. M. Dank dieser ungewöhnlichen Geografie unterscheidet sich das Klima deutlich vom umliegenden Südafrika.
Die Landschaft ist geprägt von Hochlandwiesen mit Zwergsträuchern, felsigen Plateaus und alpiner Tundra in höheren Lagen.
Lesotho ist zudem einer von nur 2 Orten im südlichen Afrika, an denen man Ski oder Snowboard fahren kann. Das Afriski Mountain Resort liegt in den Maluti-Bergen auf über 3'200 m ü. M. Die Hauptpiste ist rund 1 km lang. Während der Saison von Juni bis August kommen Tausende Wintersportler hierher. Das Resort ermöglicht Skifahren und Snowboarden, meist auf Kunstschnee, ergänzt durch Anfängerpisten und Tubing-Bereiche.
2. Marokko: die Stadt Ifrane
Marokko wird meist mit der Sahara verbunden. Doch der zentrale Teil des Landes wird vom Atlasgebirge durchzogen – einer mächtigen Bergkette mit Gipfeln über 4'000 m ü. M., in der eines der kältesten Klimas Nordafrikas herrscht.
Die Stadt Ifrane liegt im Mittleren Atlas auf über 1'650 m ü. M. und gilt als kältester Ort des Kontinents. 1935 fielen die Temperaturen auf −23,9 °C. Schnee fällt jedes Jahr und kann wochenlang liegen bleiben.
Im Hohen Atlas, dem höchsten Teil des Atlasgebirges, sind die Bedingungen noch strenger. Gemäss Morocco Next können die Temperaturen am Jbel Toubkal (4'167 m ü. M.) in den kältesten Phasen auf −20 °C fallen.
Die Natur in Marokkos Bergen bildet einen deutlichen Kontrast zu den Wüstenregionen. Zwischen alpinen Wiesen wachsen Zedern und Wacholder; im Frühling, wenn der Schnee schmilzt, verwandeln sich die Täler in blühende Felder – ein seltenes und eindrucksvolles Bild in Nordafrika.
3. Südafrika: Sutherland und die Drakensberge
Südafrika gehört klimatisch zu den vielfältigsten Ländern Afrikas. Während die Küstenregionen meist mild sind, gilt der kleine Ort Sutherland am Nordkap als kältester Ort des Landes. Von Juni bis August sinken die Nachttemperaturen auf −8 bis −12 °C, während die Tagestemperaturen wegen der Lage auf rund 1'450–1'500 m ü. M. selten über 7 °C steigen.
Im Osten des Landes liegen die Drakensberge, deren Gipfel über 3'480 m ü. M. erreichen. In höheren Lagen fällt regelmässig Schnee, und die Temperaturen können deutlich unter den Gefrierpunkt sinken. Oberhalb von 3'000 m ü. M. werden häufig Werte bis −15 °C gemessen.
Die lokale Landschaft besteht vor allem aus grünen Wiesen und Tälern, durchzogen von kalten Bächen und Wasserfällen. Im Winter, von Juni bis August, liegen die Gipfel oft in Wolken.
4. Äthiopien: die Simien-Berge
Das Äthiopische Hochland zählt zu den höchsten Plateaus Afrikas. Hier liegen die Simien-Berge, die Höhen von über 4'500 m ü. M. erreichen. Trotz ihrer Nähe zum Äquator erinnert das Klima an hochalpine Regionen.
Wie in anderen Höhenregionen Afrikas dominieren grüne Wiesen und Täler das Landschaftsbild. In diesem Gebiet leben endemische Arten, die sonst nirgends vorkommen, darunter der Äthiopische Wolf und Gelada-Paviane; beide sind an tiefe Temperaturen und dünne Luft angepasst.
Ein prägendes Merkmal der Region sind starke Temperaturschwankungen innerhalb eines einzigen Tages: Tagsüber können 15 °C erreicht werden, nachts sinken die Werte unter den Gefrierpunkt. Das erschwert die Landwirtschaft. Lokale Hirten tragen deshalb traditionell Wollumhänge, und Häuser werden aus Stein mit dicken Mauern gebaut, um Wärme zu speichern.
Daneben gibt es einen alten lokalen Glauben rund um kleine Bäume, die "genwarar" genannt werden – offenbar ein informeller Name, der nur von Einheimischen verwendet wird. Man glaubte, dass böse Geister in diesen Bäumen lebten und dass das Fällen eines solchen Baumes dem Geist erlauben könnte, von einem Menschen Besitz zu ergreifen. Dieser Glaube wurde Anfang des 19. Jahrhunderts vom Reisenden Nathaniel Pearce in seinem Tagebuch festgehalten, das später unter dem Titel The Life and Adventures of Nathaniel Pearce (1831) veröffentlicht wurde. Die genaue Baumart ist jedoch unbekannt.
5. Tansania: der Kilimandscharo
Tansania mit seinen weitläufigen Savannen in Nationalparks wie Serengeti, Tarangire und Arusha wirkt auf den ersten Blick kaum wie ein Ort, an dem Kälte zu erwarten wäre. Doch hier liegt der höchste Gipfel Afrikas – der Kilimandscharo mit 5'895 m ü. M. Sein Gipfel, der Uhuru Peak, trägt noch immer Gletscher, und trotz der Lage nur 330 km südlich des Äquators fällt gelegentlich Schnee.
Am Eingang zum Nationalpark Kilimandscharo, etwa am Marangu Gate auf rund 1'800 m ü. M., liegen die Tagestemperaturen meist bei angenehmen 21–27 °C. Von April bis Mai sowie im November kann es jedoch regnerisch sein. Mit zunehmender Höhe sinken die Temperaturen um etwa 6–7 °C pro 1'000 Höhenmeter. Am Uhuru Peak liegen die Tagestemperaturen um 0 °C, nachts können sie auf −15 °C fallen. In den letzten Jahren ist Schneefall weniger berechenbar geworden und kann in jeder Jahreszeit auftreten.
2021 führte Altezza Travel eine Studie durch. Das Team überwachte den Gipfel mithilfe von Satellitenbildern und stellte einen Jahresbericht zur Schneelage am Kilimandscharo mit Fotografien zusammen.
Der Kilimandscharo gehört zu den wenigen grossen Bergen, die für Bergsteiger mit mittlerer Fitness zugänglich sind. Die Hänge sind vergleichsweise sanft, sodass keine technische Ausrüstung für den Alpinismus erforderlich ist. Training ist wichtig, doch Sie müssen keine Profisportlerin und kein Profisportler sein, um den höchsten Punkt Afrikas zu erreichen.
In einer separaten Checkliste haben wir zusammengestellt, woran Sie bei der Planung eines Höhentrekkings denken sollten. Sie ist hilfreich für alle, die den höchsten Gipfel Afrikas besteigen möchten – oder sich zunächst mit der Idee beschäftigen.
6. Uganda und die Demokratische Republik Kongo: Rwenzori oder die "Mondberge"
An der Grenze zwischen Uganda und der Demokratischen Republik Kongo liegt das Rwenzori-Gebirge. Sein höchster Punkt – Margherita Peak am Mount Stanley – erreicht 5'109 m ü. M. Laut Dartmouth College bestehen diese Berge aus sehr alten Gesteinsformationen, die mehr als 570 Millionen Jahre bis ins Präkambrium zurückreichen. Zur Einordnung: Es wird angenommen, dass ungefähr in dieser Zeit erstmals vielzelliges Leben auf der Erde erschien.
Claudius Ptolemäus, der griechisch-römische Mathematiker, Astronom und Geograf, der etwa von 100 bis 170 n. Chr. lebte, bezeichnete den Rwenzori als "Mondberge". Gelehrte der Antike vermuteten, dass hier die Quellen des Nils liegen könnten – und sie lagen teilweise richtig. Flüsse aus diesem Gebirge speisen Seensysteme, die über den Semliki-Fluss mit dem Nilbecken verbunden sind.
An den oberen Hängen und auf den Plateaus fallen die Temperaturen häufig unter 0 °C, auf den Gipfeln können sie auf −10 °C oder tiefer sinken. Selbst auf 3'000–4'000 m ü. M. liegen die Tagestemperaturen meist nur bei 10–15 °C, während die Nachttemperaturen während des grössten Teils des Jahres um 2–6 °C pendeln.
Im Rwenzori liegen noch heute einige der wenigen verbliebenen Gletscher am Äquator. Die meisten bestehen derzeit auf den 3 höchsten Gipfeln – Mount Stanley, Mount Speke und Mount Baker – oberhalb von 4'800 m ü. M. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es 43 Gletscher mit einer Fläche von rund 7,5 km². Im vergangenen Jahrhundert sind sie infolge des Klimawandels stark geschrumpft.
Häufige Fragen
Das kälteste Land Afrikas ist Lesotho. Sein gesamtes Staatsgebiet liegt über 1'400 m ü. M., mehr als 80 % liegen über 1'800 m ü. M. In hoch gelegenen Gebieten können die Temperaturen auf −15 °C fallen, und Schnee fällt meist von Mai bis September – auf den höchsten Gipfeln auch ganzjährig.
Die tiefste jemals in Afrika gemessene Temperatur wurde in der marokkanischen Stadt Ifrane registriert, wo die Temperaturen 1935 auf −23,9 °C fielen. Gleichzeitig sinken die Temperaturen auf Afrikas höchsten Gipfeln regelmässig unter den Gefrierpunkt, darunter am Kilimandscharo, im Rwenzori-Gebirge und im Atlasgebirge.
Wichtig ist jedoch: Bei der durchschnittlichen Jahrestemperatur liegt Lesotho weiterhin kälter als Marokko und bleibt damit das kälteste Land Afrikas.
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