Sengende Sonne das ganze Jahr, drückende Hitze und Trockenheit – dieses Bild wird oft mit Afrika verbunden. Es bildet die Realität jedoch nur teilweise ab. Der Kontinent umfasst mehrere Klimazonen: Neben Wüsten gibt es ausgedehnte tropische Wälder, markante Gebirgsketten mit Gletschern und sogar Schneefelder. Schneefälle sind naturgemäss selten und treten vor allem auf Berggipfeln auf.
Kurz gesagt: Afrika ist zu vielfältig, um in stereotype Beschreibungen zu passen. Wir geben Ihnen einen präziseren Überblick über die schneereichsten Orte des Kontinents.
Schnee im äquatorialen Afrika. Gibt es Schnee in Afrika?
Im äquatorialen Teil des Kontinents ist das Klima heiss, mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit und starken saisonalen Niederschlägen. Schnee findet man hier ab Höhen von über 4'500 m. Am ehesten begegnet man ihm in Ostafrika: auf den Gipfeln des Kilimandscharo, des Mount Kenya, des Rwenzori-Gebirges und der Simien Mountains.
1. Schnee auf dem Kilimandscharo in Tansania
Der höchste Berg Afrikas (5'895 m) liegt sehr nahe am Äquator. Der Kilimandscharo befindet sich in Tansania, im gleichnamigen Nationalpark. Je nach Tageszeit und Höhe kann das Wetter am Berg innerhalb eines einzigen Tages von grosser Hitze bis zu extremer Kälte wechseln.
Die grosse Höhe des höchsten Gipfels Afrikas und die äquatorialen Passatwinde sorgen dafür, dass das Klima in den oberen Bereichen des Kilimandscharo deutlich kühler ist. Am Fuss des Kilimandscharo liegen die Durchschnittstemperaturen zwischen 21 und 27 °C, während die Nachttemperaturen am Uhuru Peak zwischen -7 und -29 °C schwanken können. Wenn Sie eine Expedition zur Besteigung des Kilimandscharo planen, sollten Sie sich nicht nur auf warme, angenehme Bedingungen vorbereiten, sondern auch auf Regen, Wind, Kälte und Schnee.
Monsunwinde vom Indischen Ozean treffen auf den Berg. Die aufsteigende Luft kühlt ab und gibt ihre Feuchtigkeit am Gipfel als Regen und Schnee ab. Die Hauptregenzeit dauert von März bis Mai, eine kürzere Regenperiode folgt im November.
Kilimandscharo-Expeditionen werden das ganze Jahr über durchgeführt, während der Regenzeit ist die Besteigung jedoch anspruchsvoller. Die angenehmste Zeit für den Gipfel liegt von Ende Dezember bis Anfang März sowie von Mitte Juni bis Ende Oktober. In den übrigen Monaten prägen starke Regenfälle die Bedingungen, und das zunehmend unberechenbare Klima Tansanias erschwert genaue Prognosen. Deshalb ist es wichtig, auf unerwartete Wetterwechsel vorbereitet zu sein.
2. Schnee auf dem Mount Kenya in Kenia
Der Mount Kenya liegt nahe am Äquator. An seinem Fuss befindet sich die Stadt Nanyuki, wo ein Schild die Äquatorlinie markiert – eine bekannte lokale Sehenswürdigkeit.
Der Berg erreicht 5'199 m, auf seinem Gipfel befinden sich 11 Gletscher. Vom Fuss bis zum Gipfel durchquert man mehrere Klimazonen, die sich stark voneinander unterscheiden können. Die südöstlichen Hänge sind beispielsweise sehr feucht und von dichten Wäldern bedeckt. Am Gipfel fällt häufig Schnee, der die Gletscher speist.
Der Mount Kenya ist der höchste Berg des Landes und nach dem Kilimandscharo der zweithöchste Afrikas.
Schneefall tritt am Berg von März bis Dezember während der Regenzeit auf. Schnee begegnet man jedoch erst ab einer Höhe von rund 4'300 m. In den Trockenzeiten von Januar bis Februar und von Juli bis Oktober wird das Wetter am Berg stabiler und sonniger. In diesen Monaten sinken die Niederschläge auf ein Minimum, Schnee bleibt aus. Die Sicht wird klarer und gibt den Blick auf die Gletscher frei.
3. Schnee im Rwenzori-Gebirge in Uganda
Im Inneren des afrikanischen Kontinents, zwischen tropischen Regenwäldern an der Grenze von Kongo und Uganda, liegen die schneebedeckten Gipfel des Rwenzori-Gebirges. Es wird angenommen, dass dieses Gebirge einst als die geheimnisvollen "Mountains of the Moon" bekannt war. Der Name könnte daher stammen, dass seine Umrisse nur im Mondlicht sichtbar werden, während der dichte Nebel des Tropenwaldes die Gipfel tagsüber verbirgt.
Der heutige Name Rwenzori geht auf die Sprache des lokalen Volkes der zurück – "Rwenjura". Der Ausdruck lässt sich als "Regenmacher" oder "König der Wolken" übersetzen, ein passender Name angesichts von rund 300 Regentagen pro Jahr in diesem Gebirge.
Das Rwenzori-Gebirge erstreckt sich über 120 km und besteht aus 6 Hauptmassiven. Der höchste Gipfel ist die Margherita Peak am Mount Stanley mit 5'109 m, gefolgt von Speke mit 4'890 m und Baker mit 4'844 m. Zu den weiteren Massiven zählen Emin mit 4'798 m und Jessi mit 4'715 m, während Luigi di Savoia 4'627 m erreicht. Getrennt werden diese Gipfel durch tiefe Täler mit dichten Tropenwäldern, die in den unteren Lagen heiss und feucht sind. Am Gipfel fallen die Temperaturen jedoch häufig unter den Gefrierpunkt.
Gletscher finden sich an den Hängen von Stanley, Speke und Baker ab etwa 4'400 m, wo Schneefall häufiger wird.
Im Gebiet des Rwenzori-Gebirges treten Nebel und Regen regelmässig auf. Es gibt jedoch auch 2 Trockenzeiten. Die erste beginnt im Juni oder Juli und dauert bis August, die zweite reicht von Dezember oder Januar bis Februar. Diese Perioden gelten als die günstigsten Zeiten für Besteigungen.
Früher war das gesamte Rwenzori-Gebirgssystem von Eis bedeckt. Heute finden sich Reste seiner einstigen Vergletscherung nur noch auf den 3 höchsten Bergen, am stärksten auf Stanley. Einige Daten deuten darauf hin, dass das gesamte Eis auf den Rwenzori-Gipfeln bis 2030 verschwinden könnte. Stanley ist der höchste Berg von Kongo und Uganda und nach Kilimandscharo und Mount Kenya der dritthöchste Afrikas. Die Nordseite von Stanley ist von Schnee und Eis bedeckt und führt direkt zum Gipfel.
4. Schnee in den Simien Mountains in Äthiopien
Auch in Äthiopien gibt es einzelne Bergregionen, in denen zu verschiedenen Zeiten Schneefall beobachtet wurde. Solche Naturereignisse sind hier jedoch sehr selten. Der höchste Punkt der Simien Mountains erreicht 4'533 m. Eine geschlossene Schneedecke ist dort allerdings kaum zu sehen – sie schmilzt zu schnell.
Schnee im südlichen Afrika
Südafrika liegt auf der Südhalbkugel und damit deutlich vom Äquator entfernt. Die Jahreszeiten sind hier entsprechend umgekehrt. Der Sommer beginnt im Dezember und dauert bis Februar, der Winter startet im Juni und endet im August. Es ist eine Region mit vielfältigen Klimazonen, in der ebenfalls Schneefall vorkommen kann.
Im südlichen Afrika gibt es 2 Hauptregionen, in denen Schnee vergleichsweise regelmässig fällt: Südafrika und Lesotho. Südafrika umfasst unterschiedliche Ökosysteme, von Hochgebirgen über Savannen, Grasland und Wälder bis hin zur Tundra. Auch das Königreich Lesotho ist bemerkenswert. Das vollständig von Südafrika umschlossene Land liegt auf über 1'000 m ü. M. Zudem wurde auch im sonnigen Namibia Schnee beobachtet, wobei nennenswerter Schneefall dort ein seltenes Ereignis bleibt. Ein genauerer Blick auf die einzelnen Regionen zeigt die Unterschiede.
1. Schneit es in Südafrika?
Die kurze Antwort lautet: Ja. Entscheidend sind Ort und Jahreszeit.
Cederberg Mountains
Die Cederberg Mountains liegen rund 300 km nördlich von Kapstadt in der Provinz Western Cape und bestehen überwiegend aus Sandstein. Das Klima ist besonders: im Sommer sehr heiss und trocken, im Winter sehr feucht. Während es am Fuss der Berge eher regnet, sind die Gipfel im Winter häufig schneebedeckt.
Im Juli 2024 fiel während einer Safari Schnee in Südafrika. Obwohl in diesem Teil des Kontinents Winter war, kam das Ereignis unerwartet. Videos von Tieren im Schnee bei Kapstadt verbreiteten sich schnell im Internet: Löwen, Nashörner, Elefanten und sogar Giraffen mit Schnee auf Kopf und Rücken sorgten online für grosses Erstaunen.
Sutherland
Sutherland gehört zu den kältesten Orten Südafrikas. Schnee ist in der Wintersaison relativ üblich, fällt jedoch nur etwa 1-mal pro Monat, meist im Juni, Juli oder August. Die Wintertemperaturen sinken hier im Durchschnitt auf -2 °C. Das kalte Klima hängt mit der Höhenlage zusammen: Die Region liegt auf 1'458 m ü. M.
Im Juli 2023 fiel Schnee in Johannesburg, einer der grössten Städte Südafrikas. Schnee ist in der Stadt selten, weshalb dieses Ereignis besonders auffiel: Es war der erste Schneefall seit über 10 Jahren. Davor hatte es zuletzt 2012 in Johannesburg geschneit.
Rhodes
Dieses kleine Dorf liegt in den und weist ein subtropisches Hochlandklima auf: milde Sommer sowie trockene, kühle Winter mit gelegentlichen Schneefällen.
Rhodes liegt auf etwas über 1'800 m. Zudem ist es der Startpunkt des jährlichen Winteranlasses Rhodes Trail Run. Dieses Rennen führt über 52 km durch raues Gelände, passiert die Grenze zu Lesotho und verläuft entlang der verschneiten Felder von .
In den Drakensbergen liegt auch Tiffindell, ein südafrikanisches Skigebiet, in dem während 3 Monaten im Jahr Ski und Snowboard gefahren werden kann. Der South African Mountain Club (MCSA) und der Ski Club der University of Cape Town haben das Gebiet mit Skihütten ausgestattet. Wintersport am Kap bleibt jedoch vom saisonalen Schnee abhängig.
Hogsback
Hogsback ist ein weiteres kleines Dorf in den Amatola Mountains und liegt auf 1'963 m. Das kühle ozeanische Klima wird oft mit englischem Wetter verglichen; die durchschnittliche Wintertemperatur liegt bei rund 3,5 °C. Schnee ist selten, fällt dank der Höhenlage des Dorfes aber einige Male pro Jahr.
2. Schnee in Lesotho
Lesotho im südöstlichen Afrika gehört zu den wenigen afrikanischen Ländern, in denen Schnee kein ganz aussergewöhnliches Ereignis ist. Das Hochlandkönigreich ist vollständig von Südafrika umschlossen, und Schneefälle treten hier deutlich häufiger auf als in vielen anderen afrikanischen Staaten.
Tatsächlich ist Lesotho das einzige Land der Welt, in dem jeder Quadratmeter Landesfläche auf über 1'000 m ü. M. liegt. Mehr als 80 % des Königreichs liegen noch höher, über 1'800 m. Einige Regionen überschreiten sogar 3'000 m. Schnee fällt am häufigsten von Mai bis September; in höheren Lagen kann er fast das ganze Jahr über auftreten. Das Binnenland beherbergt zudem Afriski, das zweite Skigebiet im südlichen Afrika.
3. Schnee in Namibia
Namibia zählt mehr als 300 Sonnentage pro Jahr. Die Winter sind in der Regel trocken; Regenzeiten treten zwischen September und November sowie von Februar bis April auf. Die Niederschläge sind gering, längere Dürreperioden kommen häufig vor.
Dennoch wurde in Namibia Schnee beobachtet, wenn auch sehr selten. Der letzte dokumentierte Schneefall ereignete sich im Juni 2022.
Gibt es Schnee in Nordafrika?
Im nördlichen Teil des Kontinents sind die Jahreszeiten vielen von uns vertraut. Der Winter dauert von Dezember bis Februar, der Sommer von Juni bis August. Das Klima in diesen Regionen ist meist trocken und wüstenähnlich, mit grosser Hitze und geringen Niederschlägen. In höheren Lagen und in der Sahara können die Nachttemperaturen jedoch unter den Gefrierpunkt fallen. Selten, aber doch gelegentlich, fällt in diesen Gebieten Schnee. Besonders in Tunesien, Marokko und Algerien wurden in sehr kalten Wintern Schneefälle registriert.
1. Schnee in Tunesien
Schnee in Tunesien ist eher die Ausnahme als die Regel. In den Wintermonaten kann es auf den höchsten Berggipfeln jedoch recht kalt werden. Schneefälle wurden unter anderem in Gebieten um , und weiteren nahe gelegenen Bergen beobachtet.
Schneefall in einer heissen Wüste mag schwer vorstellbar sein, doch in den letzten Jahrzehnten fiel in der Sahara mehrfach Schnee. Der jüngste Schneefall ereignete sich im Januar 2022.
2. Schnee in Marokko
Wenn von Schnee in Marokko die Rede ist, denkt man zuerst an das , insbesondere an den und den . Schneefälle sind hier recht häufig. Die Stadt Ifrane etwa, oft als "Schweiz Marokkos" bezeichnet, liegt auf 1'665 m und ist für ihre alpine Architektur und schneereichen Winter bekannt. Ifrane verfügt zudem über ein gleichnamiges Skigebiet. Ein weiteres bekanntes Skigebiet ist Oukaïmeden auf 2'600 m, wo die touristische Saison von Dezember bis April dauert.
3. Schnee in Algerien
In Algerien herrscht überwiegend ein trockenes, wüstenähnliches Klima, entsprechend selten ist Schnee. Ein Teil des Landes liegt jedoch im Bereich des , wo von Zeit zu Zeit Schneefälle auftreten.
Klimawandel in Afrika
Die Frage der sich rasch verändernden Wetterbedingungen auf dem Kontinent ist in den letzten Jahren dringlicher geworden. Afrika gilt als eine der verletzlichsten Regionen der Welt; Wetter Muster verschieben sich hier in einem Tempo, das stellenweise nahezu katastrophale Folgen haben kann. Diese unkontrollierbare Klimavariabilität könnte die landwirtschaftliche Produktion verringern, die Ernährungssicherheit gefährden und Wasserressourcen stark belasten.
Es wird erwartet, dass ein wahrscheinlicher globaler Temperaturanstieg von 1,5 °C in den kommenden Jahrzehnten nahezu den gesamten Planeten betrifft und insgesamt zu einer Zunahme der durchschnittlichen Niederschläge führt. Afrika erwärmt sich derzeit jedoch schneller als der Rest der Welt.
In der obigen Grafik steht Rot für wärmere Werte, Blau für kühlere Werte. Als Referenzpunkt dient die Durchschnittstemperatur von 1971 bis 2000. Datenquelle: Berkeley Earth.
Diese Klimaveränderungen haben in Afrika in den letzten Jahren zu unberechenbaren und wechselhaften Wetterlagen geführt. Die Gletscher am Kilimandscharo, die sich seit dem vergangenen Jahrhundert zurückziehen, dürften aufgrund steigender Temperaturen innerhalb weniger Jahrzehnte vollständig verschwinden.
Noch besteht die Möglichkeit, schneebedeckte Gipfel über äquatorialen Regenwäldern und heissen Savannen zu sehen. Einer der besten Orte dafür ist der Kilimandscharo in Tansania, der höchste freistehende Berg der Welt.
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