Wir leben in Afrika und beobachten mit Freude eine grosse Vielfalt an Tieren. Viele von ihnen sind auffallend schön und zeigen interessante Merkmale und Verhaltensweisen. In diesem Artikel gehen wir folgenden Fragen nach:
- Was sind Colobusaffen, und wie unterscheiden sie sich von anderen Affen?
- Warum heissen sie "Colobus", ein Begriff, der "verstümmelt" bedeutet?
- Welche Funktion hat ihr langes Fell, und sind alle Colobusaffen schwarz-weiss?
- Wer sind die bekannten roten Colobusaffen, und sind sie tatsächlich rot?
- Welchen Bedrohungen sind sie in ihrem Lebensraum ausgesetzt?
- Wo und wie lassen sich Colobusaffen beobachten?
5 Fakten über Colobusaffen
In Afrika leben auffallend schöne Affen mit langem schwarz-weissem Fell, buschigen Schwänzen und ausdrucksvollen Gesichtern mit breiten, hervortretenden Nasen. Dadurch wirken sie manchmal überrascht, manchmal beinahe traurig. Ein Merkmal unterscheidet sie deutlich von allen anderen Primaten: Ihnen fehlt ein voll entwickelter Daumen; stattdessen besitzen sie nur einen kleinen Fortsatz. Diese Eigenheit gab ihnen den Namen "Colobus", denn das griechische Wort "kolobos" (κολοβός) bedeutet "verstümmelt" oder "versehrt". Bei der Schönheit dieser Tiere wirkt das fast ironisch.
Wir betrachten einige interessante Aspekte aus dem Leben der Colobusaffen: wie sie mit ihren besonderen Fingern den Alltag meistern, welche Funktion und Wirkung ihr langes Fell hat, was ihre Ernährung so bemerkenswert macht, welche Arten es gibt und wo sie leben – und wo man sie in freier Wildbahn beobachten kann.
Der kleine Daumen. Fehlbildung oder Vorteil?
Wenn man Colobusaffen in ihrem natürlichen Lebensraum sieht, würde man kaum vermuten, dass an ihren Händen etwas ungewöhnlich ist. Die wendigen Baumbewohner springen über grosse Distanzen von Ast zu Ast und halten mühelos mit anderen Primaten mit. Besonders bemerkenswert: Sie gelten als die am stärksten baumlebenden Primaten überhaupt. Den grössten Teil ihres Lebens verbringen sie in den Bäumen und steigen nur in Ausnahmesituationen zu Boden, wenn es in den Baumkronen keinen anderen Weg gibt.
Der besondere Daumen ist keine Fehlbildung, sondern ein Vorteil. Seine reduzierte Grösse weist auf evolutionäre Anpassungen hin, die aus dem Leben in den Bäumen entstanden sind. Ähnliche Veränderungen lassen sich auch bei Klammeraffen in Nord- und Südamerika beobachten.
Da sich Colobusaffen in den höchsten Ästen fortbewegen und sich ausschliesslich von Blättern, Früchten und Blüten ernähren, benötigen sie keine spezialisierten Werkzeuge, um an Nahrung zu gelangen. Ihre Gliedmassen dienen vor allem dazu, von Ast zu Ast zu springen und Pflanzenteile zu greifen. In diesem Zusammenhang ist der opponierbare Daumen, wie ihn die meisten Primaten besitzen, schlicht nicht mehr notwendig.
Colobusaffen sitzen gerne auf Ästen oder liegen halb ausgestreckt darauf, hängen aber nie daran. Beim Fressen befinden sie sich auf der Oberseite des Astes und zupfen die Blätter mit den Händen ab. Auch dafür brauchen sie keinen grossen Daumen. Alles hängt zusammen: die Form der Hände, der Lebensraum, die Art der Fortbewegung und die Ernährung.
Ungewöhnliche Ernährung und robuste Mägen
Warum steigen Colobusaffen nur selten zu Boden und verbringen so viel Zeit in den Bäumen? Als sich verschiedene Tierarten in Afrika stark ausbreiteten, konkurrierten sie um Raum und begrenzte Ressourcen. Die Gattungen und Arten der Affen nahmen zu, einzelne Gruppen verdrängten andere. Colobusaffen wichen immer weiter nach oben in die Bäume aus, wo die Konkurrenz geringer war. Gleichzeitig erschlossen sie sich Nahrung, die andere Primaten mieden: giftige Pflanzen. So passten sie sich an die bestehenden Bedingungen an.
Colobusaffen besitzen ein komplexes und ungewöhnliches Verdauungssystem. Die Nahrung wird bereits im Vormagen verarbeitet, bevor sie in die weiteren Darmabschnitte gelangt. Ihr Magen ist mehrkammerig. Gelangen zähe und giftige Blätter in den Vormagen, werden sie dort von Bakterien verarbeitet und entgiftet. Anschliessend wandern sie bereits neutralisiert weiter in den Darm.
Colobusaffen sind die einzigen Primaten, die giftige Pflanzen aufnehmen können, ohne sich selbst zu schaden. Ähnliche Anpassungen finden sich in den Mägen von Faultieren, Kängurus und einigen Wiederkäuern. Der südamerikanische Hoatzin etwa ist wegen seines ausgeprägten Geruchs bekannt, der durch Fermentationsprozesse im Kropf entsteht. Colobusaffen hingegen erzeugen dank ihrer inneren Verdauung keine ungewöhnlichen Gerüche.
Der komplexe mehrkammerige Magen bringt ihnen weitere Vorteile: Sie verdauen Ballaststoffe effizienter als andere Affen und gewinnen mehr Protein aus ihrer Nahrung. Dadurch können diese schönen, dicht behaarten Tiere mehr Blätter fressen und daraus mehr Energie ziehen.
Markantes Fell
Solche Tiere findet man nicht leicht: langes Fell, grosse buschige Schwänze und kontrastreiche schwarz-weisse Zeichnungen. Dazu die ruhige Haltung hoch oben in den Baumkronen. Es sind eigentliche Könige des oberen Kronendachs in den afrikanischen Wäldern.
Es gibt 3 Gattungen dieser Affen: schwarz-weisse Stummelaffen (Gattung Colobus), rote Stummelaffen (Gattung Piliocolobus) und den Grünen Stummelaffen (Gattung Procolobus). Zur Gattung Colobus gehören 6 Arten – möglicherweise mehr, falls einzelne Unterarten als eigene Arten eingestuft werden. Allen gemeinsam ist die Grundfarbe des Fells: Schwarz. Zu den bekanntesten Vertretern der schwarz-weissen Stummelaffen zählen wohl der Mantelaffe (Colobus guereza) und der Angola-Stummelaffe (Colobus angolensis).
Weisses Fell umrahmt bei diesen Arten das Gesicht und zieht sich von den Schultern seitlich nach unten, sodass ein Mantel entsteht. Auch die Schwänze sind weiss: Beim Angola-Stummelaffen können sie schwarz oder weiss sein, die Spitze ist jedoch immer weiss. Beim Mantelaffen ist der gesamte buschige untere Teil des Schwanzes schneeweiss. Besonders eindrucksvoll wirken die langen, herabhängenden Schwänze, wenn die Tiere hoch in den Bäumen sitzen, ruhig ihre Umgebung beobachten und fressen.
Die Felllänge variiert je nach Art und Lebensraum. Insgesamt bevorzugen Colobusaffen die sogenannten Galeriewälder des tropischen Afrikas sowie Mangrovenbestände. Man sieht sie auch in baumbestandenen Wiesenlandschaften, darunter Bambus- und Eukalyptusplantagen. Sie leben zudem in Bergwäldern bis auf etwa 3'300 m ü. M. Je höher Colobusaffen über Meer leben, desto länger ist ihr Fell. In grösserer Höhe ist die Luft kühler, weshalb sie Schutz vor Kälte benötigen.
Seit dem späten 19. Jahrhundert wird diskutiert, ob in den Wäldern des Kilimandscharo, des Meru und der umliegenden Gebiete eine eigenständige Population schwarz-weisser Colobusaffen lebt. Forschende, die sie als eigene Art einstufen, nennen sie Mt. Kilimanjaro guereza (Colobus caudatus). Sie besitzen möglicherweise das längste Fell und die auffälligsten Schwänze.
Im Jahr 2020 stufte die International Union for Conservation of Nature and Natural Resources sie schliesslich als eigene Art ein. Als Gründe wurden unter anderem die besondere Schädelstruktur, die sich von allen anderen Arten unterscheidet, die Isolation des Verbreitungsgebiets gegenüber den Lebensräumen anderer Unterarten des Mantelaffen sowie der Rückgang der Population genannt. Die Art gilt als gefährdet. In Tansania werden mehr als 10'000 Individuen des Mt Kilimanjaro guereza gezählt, in 2 kleinen Waldreservaten im benachbarten Kenia nur etwa 200.
Die eindrucksvolle Felllänge und Färbung entwickeln Colobusaffen erst mit dem Alter. Neugeborene Tiere sind vollständig weiss, nur ihre Gesichter sind rosa. Nach 3 Monaten wird das Fell schwarz und nimmt die weiteren, für die jeweilige Art typischen Farbtöne an.
Wie es bei auffälligen Tieren oft geschieht, deren Fell, Haut oder Federn Menschen besonders ansprechen, litten auch Colobusaffen unter übermässiger Aufmerksamkeit. Ihr Fell wurde zum Besatz von Mänteln, Capes, Hüten und Tanzkostümen verwendet. Colobusaffen wurden in den Wäldern gejagt und getötet; ihre Felle wurden verschifft. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren mehrere Unterarten der schwarz-weissen Colobusaffen ausgerottet. Glücklicherweise nahm die Mode für Affenfell vor 100 Jahren ab, und der Massenfang von Colobusaffen endete. Auch heute werden sie in afrikanischen Wäldern noch wegen ihres schönen Fells gejagt, das auf dem Schwarzmarkt verkauft wird.
Nicht alle Colobusaffen sind schwarz-weiss
In Afrika findet man nicht nur schwarz-weisse Colobusaffen, sondern auch Arten mit rötlichem und rotbraunem Fell sowie sogar olivgrünen Farbtönen. Colobus ist die Bezeichnung für mehrere Affengruppen. Neben der eigentlichen Gattung Colobus gehören zu diesem Tribus der Altweltaffen, den Colobini, 2 weitere Gattungen: Piliocolobus und Procolobus.
Wie oben erwähnt, lassen sich alle Colobusaffen in 3 Gattungen einteilen:
- schwarz-weisse Stummelaffen;
- rote Stummelaffen;
- olivgrüne Stummelaffen – in dieser Gattung gibt es nur 1 Art.
Es gibt mehr als 20 Arten, und unter Wissenschaftlern wird diskutiert, wie einzelne Affen genau einzuordnen sind. In der ersten Gattung gibt es 5 oder 6 Arten, in der letzten nur 1 – den Grünen Stummelaffen – und dazu kommen etwa 20 Arten roter Stummelaffen.
Das Fell des Grünen Stummelaffen ist grün-oliv oder braun gefärbt. Die meisten sogenannten schwarz-weissen Colobusaffen entsprechen diesem Namen, auch wenn nur 2 oder 3 Arten weisse Mäntel und Schwänze besitzen. Die übrigen haben lediglich weisse Markierungen an verschiedenen Körperstellen, häufig rund um das Gesicht und an der Schwanzspitze. Nur der Schwarze Stummelaffe (Colobus satanas) trägt keine weissen Markierungen am Körper. Er bleibt vollständig schwarz, mit etwas hellerem Fell rund um das Gesicht.
Die Arten der roten Stummelaffen können dreifarbig sein: Neben Schwarz und Weiss zeigt ihr Fell verschiedene Braun-, Orange- oder Rottöne, häufig auch Grau. Der Sansibar-Stummelaffe (Piliocolobus kirkii) etwa hat einen roten oder rötlichen Rücken. Benannt wurde er nach dem schottischen Naturforscher John Kirk, der Tiere und Pflanzen Ostafrikas erforschte, darunter auch auf der Insel Unguja (Sansibar).
Der Sansibar-Stummelaffe bewohnt den letzten verbliebenen Wald auf Sansibar. Derzeit umfasst seine Population weniger als 6'000 Individuen, und die Art wird als stark gefährdet eingestuft. Es gab Versuche, Tiere auf die Nachbarinsel Pemba umzusiedeln. Die Population konnte dort jedoch nicht wachsen, weil es zu Konflikten mit Menschen kam. Abergläubische Bauern töteten die Tiere, weil sie glaubten, sie brächten Unglück.
Auch wenn heute deutlich weniger Colobusaffen von Menschen getötet werden als im 19. und 20. Jahrhundert, bleibt der Verlust ihres Lebensraums eine erhebliche Bedrohung. Menschen roden weiterhin Wälder – die vertrauten und wichtigen Rückzugsräume dieser Affen.
Wer jagt Colobusaffen?
Wer bedroht sie neben ihrem Hauptfeind, dem Menschen? In der Wildnis machen Raubtiere wie Leoparden, Schimpansen und grosse Greifvögel Jagd auf diese Affen. Beim Mantelaffen wurde etwa beobachtet, dass er häufig solchen Greifvögeln zum Opfer fällt.
Wenn sich schwarz-weisse Colobusaffen für die Nacht auf Ästen im mittleren und oberen Bereich des Waldes niederlassen, schlafen sie recht wachsam und verhindern so, dass Raubtiere zu nahe kommen. In hellen Mondnächten können sie tiefer schlafen. In dunklen Nächten sind sie angespannter und geben Warnrufe an die anderen Gruppenmitglieder ab, sobald Gefahr besteht.
Colobusaffen lassen sich gut an ihren Lauten erkennen. Häufig stossen sie im Wald ein markantes Brüllen aus, das morgens oder nachts über die Baumkronen hinweg bis zu 1,5 km weit trägt. Männchen nutzen diese Rufe meist, um den Gruppenmitgliedern ihren Standort mitzuteilen und andere Gruppen zu warnen, damit sich die Futterreviere nicht überschneiden. Bei Gefahr geben Colobusaffen schnaubende Laute oder Quieken von sich. Sind Weibchen und Jungtiere um ein Junges der Gruppe besorgt, folgen durchdringend hohe Schreie.
Beginnt ein Raubtier anzugreifen, springt das Alphamännchen und knurrt, zieht damit die Aufmerksamkeit auf sich und ermöglicht den übrigen Gruppenmitgliedern, rasch in eine sichere Richtung auszuweichen. Wenn nötig, legen Colobusaffen mit einem Sprung mehrere Meter zurück und wechseln so von Ast zu Ast.
Wo sieht man Colobusaffen in freier Wildbahn?
Colobusaffen haben ein weites Verbreitungsgebiet: Sie leben im tropischen Gürtel Afrikas, von Senegal im Westen bis Äthiopien im Osten, südwärts bis Angola und Sambia sowie in bestimmten Regionen Tansanias.
Angola-Stummelaffen kommen beispielsweise nicht nur in Angola vor, sondern auch in weiten Teilen der Demokratischen Republik Kongo, in Ruanda und Burundi, in kleinen Populationen in Kenia und Sambia sowie in einem grossen Gürtel in Tansania.
Mantelaffen leben in Nigeria und Kamerun, in mehreren zentralafrikanischen Ländern, grossflächig in Äthiopien und Kenia sowie im Norden Tansanias.
Wenn man den Kilimandscharo-Colobus als eigene Art betrachtet, ist erwähnenswert, dass er nur in einem bestimmten Gebiet im Norden Tansanias und in 2 kleinen Populationen in Kenia lebt. Sein wichtigster Lebensraum liegt, wie der Name nahelegt, in der Nähe des Kilimandscharo sowie in den Wäldern des benachbarten Meru.
Wir haben die Lebensräume der besonders auffälligen Colobusaffen hervorgehoben, die durch langes Fell und eine ausdrucksstarke schwarz-weisse Färbung gekennzeichnet sind. Diese Arten lassen sich in Tansania beobachten, etwa auf einer Safarireise nach Ostafrika, zum Beispiel bei Besuchen der Nationalparks Kilimandscharo und Arusha.
Für Tierliebhaber und Safari-Reisende gibt es eine praktische Nachricht: Wenn Sie eine Reise in die Serengeti und nach Ngorongoro geplant haben, müssen Sie nicht zwingend zusätzliche Zeit in weniger besuchten Nationalparks einplanen, um schwarz-weisse Colobusaffen zu sehen. Sie leben in Bäumen in einigen grünen Gebieten rund um die Städte Arusha und Moshi.
Wenn Sie während Ihrer Safari mit Altezza Travel Colobusaffen beobachten möchten, informieren Sie unsere Spezialisten. Wir bringen Sie bei Ihrer Ankunft in Tansania in Hotels unter, in denen Sie diese Affen schon auf dem Weg von Ihrem Cottage zum Restaurant sehen können.
Wir selbst sehen sie jedes Mal, wenn wir in Hotels in der Region Usa River nahe Arusha übernachten. Die Schönheit der schwarz-weissen Colobusaffen, die direkt über unseren Köpfen durch die Bäume springen, beeindruckt uns immer wieder.
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