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Tansania heute: Armut oder rasche Entwicklung?

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In Tansania finden sich traditionelle Stämme und erfolgreiche Start-ups ebenso nebeneinander wie Dörfer ohne Strom, handverlesene Hotels und lebendige Städte. Willkommen in einem Land, das weiterhin mit Arbeitslosigkeit kämpft, gleichzeitig aber ein rasches Wirtschaftswachstum zeigt und jedes Jahr Millionen Reisende aus aller Welt empfängt. Ist Tansania also wirklich ein armes Land? Welche Fortschritte hat es in den letzten Jahren erzielt? Und wie komfortabel sind Leben und Reisen hier heute? Altezza Travel ordnet die wichtigsten Entwicklungen ein.

Zahlen und Fakten – ist Tansania arm?

Gemäss der internationalen Analyseplattform DataReportal zählte Tansania Anfang 2025 rund 69,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, bei einem Medianalter von 17,5 Jahren. Eine junge Bevölkerung steht für Wachstumspotenzial. Fachleute gehen davon aus, dass die Bevölkerung bis 2050 auf 114 Millionen Menschen anwachsen könnte. Damit würde sich die Zahl der Arbeitskräfte verdoppeln, während die Urbanisierung von 30 % auf 60 % steigen dürfte. Gleichzeitig verlangt diese Entwicklung neue Arbeitsplätze sowie den Ausbau von Infrastruktur und Bildungssystemen.

Nach Angaben der Weltbank lag das BIP pro Kopf in Tansania 2024 bei rund Int$ 3'713Der internationale Dollar (abgekürzt Int$), auch Geary-Khamis-Dollar genannt, ist eine hypothetische Währung zum Vergleich der Kaufkraft zwischen Ländern. Wenn das BIP pro Kopf in Tansania mit Int$ 3'713 angegeben wird, bedeutet dies: Eine durchschnittliche Person in Tansania konsumiert pro Jahr so viele Waren und Dienstleistungen, wie eine Person in den USA zu Hause für USD 3'713 kaufen könnte, bereinigt um Preisunterschiede. (auf Basis der Kaufkraftparität). Zum Vergleich: Kenia lag bei etwa Int$ 5'823, Uganda bei rund Int$ 2'882.

Diese Zahlen ordnen Tansania in die Kategorie der Länder mit unterem mittlerem Einkommen ein. Zugleich gehörte das Wirtschaftswachstum des Landes in den vergangenen 2 Jahrzehnten zu den stärksten der Region. Seit den frühen 2000er-Jahren lag das jährliche BIP-Wachstum im Durchschnitt zwischen 6 % und 7 %, in einzelnen Jahren erreichte es 7,5 %. Wesentliche Treiber sind der Tourismus, der Bergbau – insbesondere Gold und Erdgas – sowie die Landwirtschaft.

Heute steigert Tansania kontinuierlich ausländische Investitionen, verbessert das Geschäftsumfeld und baut seine Infrastruktur aus: neue Strassen, Stromnetze, Häfen und Bahnlinien entstehen. Erneuerbare Energien erhalten besondere Aufmerksamkeit, weil sie für einen besseren Stromzugang in abgelegenen Regionen zentral sind. So stieg gemäss dem Nationalen Statistikamt Tansanias (National Bureau of Statistics of Tanzania, NBS) der Anteil der Haushalte auf dem Festland mit Anschluss an das nationale Stromnetz von 32,8 % in den Jahren 2016–2017 auf 45,8 % in den Jahren 2021–2022. Das bedeutet: In den vergangenen 6 bis 7 Jahren erhielten mehr als 2 Millionen Haushalte Zugang zu Strom.

Trotz dieser Fortschritte leben weiterhin rund 42 % der Bevölkerung unterhalb der internationalen Armutsgrenze von USD 3 pro Tag. Viele Menschen in Tansania haben mit gravierenden Engpässen bei Grundbedürfnissen zu tun – Nahrung, sauberes Wasser, Wohnraum und medizinische Versorgung.

In den letzten Jahren hat Tansania jedoch begonnen, seine digitale Wirtschaft aktiv auszubauen und Bildungsinitiativen zu lancieren, die Alphabetisierung und berufliche Ausbildung junger Menschen verbessern sollen. Dies ist Teil einer breiteren nationalen Strategie – "Tanzania 2025" –, mit der das Land den Status eines Landes mit mittlerem Einkommen erreichen will.

Alltag der tansanischen Bevölkerung

Für die meisten Menschen in Tansania bleibt das Leben 2025 anspruchsvoll. Die Landwirtschaft bildet das Rückgrat der Wirtschaft und beschäftigt mehr als 65 % der Bevölkerung. Den meisten Bauernfamilien fehlt weiterhin der Zugang zu moderner Agrartechnologie und Finanzierung, was Produktivität und Einkommen begrenzt. Dennoch sichert die Landwirtschaft die Versorgung mit Nahrungsmitteln und einen grossen Teil der Exporterlöse des Landes.

Das Bildungsniveau in Tansania hat sich deutlich verbessert: Heute erhalten mehr als 90 % der Kinder eine Primarschulbildung. Anders gesagt besuchen 9 von 10 Kindern die Primarschule. Die Qualität der Bildung bleibt jedoch vor allem in ländlichen Gebieten niedrig. Vielen Schulen fehlen Lehrpersonen und finanzielle Mittel.

Auch im Gesundheitswesen zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Zugang zu medizinischen Leistungen wurde ausgebaut, besonders durch Programme gegen Malaria, HIV/AIDS und Kindersterblichkeit. Viele Spitäler leiden jedoch weiterhin unter Medikamentenengpässen.

Bei der Infrastruktur hat Tansania in den vergangenen 10 bis 20 Jahren grosse Fortschritte erzielt. Strassen wurden verbessert, die Mobilfunkabdeckung wurde erweitert – inzwischen haben fast 70 % der Bevölkerung Zugang zu mobilem Internet – und wie erwähnt ist auch die Stromversorgung der Haushalte gewachsen. All dies verändert den Alltag vieler Menschen und schafft neue Möglichkeiten, Einkommen zu erzielen, Unternehmen zu gründen und Bildung wahrzunehmen.

Tourismus als Motor der Wirtschaft Tansanias

In den vergangenen 10 Jahren hat sich der Tourismus zu einem der wichtigsten Wirtschaftsmotoren Tansanias entwickelt. Er trägt wesentlich zum BIP bei und schafft Millionen Arbeitsplätze. 2024 empfing das Land mit 5,36 Millionen Touristinnen und Touristen einen Rekordwert – und übertraf damit bereits das Regierungsziel von 5 Millionen bis 2025. Dieser deutliche Popularitätszuwachs hängt vor allem mit den Bemühungen der Regierung zusammen, touristische Infrastruktur auszubauen und Partnerschaften mit Reiseveranstaltern zu stärken.

Die Tourismuseinnahmen erreichten 2024 USD 3,9 Milliarden und lagen damit fast 3-mal so hoch wie 2021 mit USD 1,3 Milliarden. Der Beitrag des Tourismus zum BIP stieg dadurch von 16,4 % auf 17,2 %.

Für Tansania bedeutet Tourismus nicht nur Einnahmen, sondern auch Arbeitsplätze. Heute beschäftigt der Sektor mehr als 1,5 Millionen Menschen in Hotellerie, Transport und Guiding.

Zu den beliebtesten Reisezielen zählen der Serengeti-Nationalpark, der allein 2024 fast 590'000 Besucherinnen und Besucher verzeichnete, sowie der Kilimandscharo, der viele Reisende für Trekking in grosser Höhe anzieht. Die Zahl der Bergsteigerinnen und Bergsteiger stieg im vergangenen Jahr um 13,4 % und erreichte fast 60'000 Personen. Auch die Strände auf Sansibar verzeichneten starkes Wachstum: 2024 zogen sie mehr als 736'000 Touristinnen und Touristen an, 15,4 % mehr als im Vorjahr.

Auf dem Weg zu nachhaltigem Wachstum und mehr Wohlstand steht Tansania zwangsläufig vor Herausforderungen. Die Regierung unternimmt jedoch erhebliche Anstrengungen, nicht nur aktuelle Probleme zu lösen, sondern auch künftigen vorzubeugen. Entsprechend bleiben die Prognosen positiv: Bis 2034 soll der Beitrag des Tourismus zur Wirtschaft auf USD 12,5 Milliarden steigen, während die Zahl der Arbeitsplätze im Sektor auf 2,25 Millionen wachsen könnte.

Veröffentlicht am 6 August 2025 Überarbeitet am 26 Mai 2026
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Über den Autor
Yana Khan

Yana ist Autorin bei Altezza Travel und arbeitet seit 2015 im journalistischen Umfeld. Vor ihrem Wechsel in unser Team war sie als Redaktorin in der Medienbranche tätig.

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