Dodoma ist nicht zuletzt deshalb besonders, weil es die Hauptstadt eines grossen und bei Reisenden beliebten Landes ist – Tansania – und dennoch erstaunlich wenig bekannt und wenig besucht bleibt. Dabei sind sowohl Dodoma selbst als auch die gleichnamige Region ausgesprochen interessant. Reisende, die bewusst abseits der üblichen Routen unterwegs sind, finden hier historische Stätten aus verschiedenen Epochen und Landschaften von eindrucksvoller natürlicher Schönheit. Was ist also die tatsächliche Hauptstadt von Tansania? Welche Geschichte hat Dodoma? Wo liegt die Stadt? Was für eine Stadt ist Dodoma, und was lässt sich dort und in der Umgebung sehen? Im Folgenden finden Sie Antworten auf diese und weitere Fragen.
Was ist nun die Hauptstadt von Tansania – Dodoma oder Dar es Salaam?
Das moderne Tansania, wie wir es seit seiner Unabhängigkeit kennen, wurde zunächst über mehr als 3 Jahrzehnte von Dar es Salaam aus regiert. Tanganjika, eine ehemalige britische Kolonie, die sich territorial weitgehend mit dem heutigen Festland Tansanias deckt, erlangte 1961 die Unabhängigkeit von Grossbritannien. Gut 2 Jahre später, nach der Revolution, kamen die Inseln von Sansibar hinzu, die von der Herrschaft des pro-omanischen Sultans befreit worden waren. So entstand 1964 die Vereinigte Republik Tansania beziehungsweise das moderne Tansania. Dar es Salaam blieb zunächst das politische Zentrum; die Millionenstadt an der Küste war 32 Jahre lang Hauptstadt. Seit 1996 gilt Dodoma als offizielle Hauptstadt der Republik. In vieler Hinsicht ist diese Funktion allerdings bis heute vor allem formal: Die meisten Regierungsstellen, die Büros der Banken und grossen nationalen Unternehmen sowie sämtliche Botschaften befinden sich weiterhin in Dar es Salaam.
Das weltweit wohl bekannteste Beispiel einer Hauptstadt, der diese Rolle bewusst zugewiesen wurde, ist Canberra in Australien. Viele Menschen sind bis heute überzeugt, Sydney sei die Hauptstadt des Landes. Auch Besucher Tansanias sind oft überrascht, wenn sie erfahren, dass nicht Dar es Salaam, sondern Dodoma die Hauptstadt von Tansania ist. Die tansanische und die australische Hauptstadt haben eine vergleichbare Bevölkerungszahl, wobei Canberra ein halbes Jahrhundert mehr Zeit hatte, sich zu etablieren.
Vergleicht man Dodoma mit Hauptstädten nahegelegener afrikanischer Länder, zeigen sich ähnliche Entwicklungen: Lilongwe in Malawi, Abuja in Nigeria, Nouakchott in Mauretanien und Gaborone in Botswana. Auch diese Länder wurden in den 1960er-Jahren unabhängig, und die Verlegung der Hauptstadt markierte jeweils den Beginn einer neuen Phase. In Tansania zog sich dieser Prozess über Jahrzehnte hin und dauert bis heute an, obwohl die Grundidee jener der Nachbarländer entsprach. Was lief anders, und weshalb? Darauf kommen wir später zurück. Zunächst lohnt ein Blick auf die Stadt selbst.
Was für eine Stadt ist Dodoma?
Dodoma ist eine vergleichsweise kleine Stadt mit gemäss den jüngsten verfügbaren Daten aus dem Jahr 2012 rund 410'000 Einwohnerinnen und Einwohnern mit ständigem Wohnsitz. Sie wirkt überschaubar, hell und planvoll angelegt. Hohe Gebäude drängen sich hier nicht. Im Gegenteil: Die Hauptstadt Tansanias fügt sich erstaunlich harmonisch in die Landschaft der Savanne und der umliegenden Hügel ein.
2 regionale Strassenachsen durchqueren die Stadt von Nord nach Süd und von Ost nach West. Dadurch ist Dodoma in 4 Bereiche gegliedert, die jeweils klar strukturiert und in Quartiere unterteilt sind. Die Planung der neuen Hauptstadt wurde mit grosser Sorgfalt angegangen: Der Masterplan wurde 2 Mal erarbeitet, internationale Unternehmen nahmen am Wettbewerb teil, und die Genehmigung des endgültigen Projekts dauerte schliesslich mehr als 10 Jahre.
Die Strassen der Stadt eignen sich gut für Spaziergänge. Es gibt Trottoirs, was in der traditionellen Stadtplanung Tansanias keineswegs selbstverständlich ist. Dodoma wurde von Beginn an als moderne Hauptstadt mit Infrastruktur für Velofahrer und einem funktionierenden Busverkehr konzipiert. Neben den traditionellen Dala Dalas – Minibussen, die wie Sammeltaxis verkehren – fahren auch Bajaji durch die Stadt, die beliebten überdachten dreirädrigen Taxis.
Das höchste Gebäude der Hauptstadt ist der Anglican Tower, ein 14-stöckiger Bau mit 54 m Höhe. Daneben stehen in Dodoma 3 ähnliche Bürohochhäuser mit 11 oder 12 Stockwerken. Insgesamt wirkt die Stadt jedoch nicht erdrückend. Dodoma fühlt sich offen und zugänglich an, mit einer fast provinziellen Ruhe im Inneren des afrikanischen Kontinents. Das steht in deutlichem Kontrast zu Dar es Salaam, wo dichter Verkehr zum Alltag gehört und laufend neue Hochhäuser entstehen.
Was Sie in Dodoma sehen können
Dodoma aus touristischer Sicht zu beschreiben, ist nicht ganz einfach. Immer wieder fallen die Schwächen einer bewusst geplanten Hauptstadt auf, deren Entwicklung nur langsam vorankommt. Zugleich hat Dodoma viele Seiten, die einen genaueren Blick verdienen – vor Ort oder zumindest aus der Distanz, beim Lesen und Betrachten der Bilder.
Moscheen und Kathedralen
Zu den sehenswerten Orten in Dodoma gehört die Gaddafi Mosque, benannt nach dem libyschen Politiker, der den Bau finanzierte. Sie ist die grösste Moschee Tansanias und bietet Platz für bis zu 3'000 Besucher. Der helle Bau mit seinen umlaufenden Bogenwänden steht unter dem offenen Himmel Ostafrikas und wird fast das ganze Jahr über von der Sonne erfasst. Neben der Moschee liegt eine kleine Grünfläche, die einen interessanten Kontrast zu den rosafarbenen Wänden des Gebetsgebäudes bildet. Im Inneren finden auch Reisende ohne religiösen Bezug Ruhe, Schatten und die in dieser Region geschätzte Kühle.
Wenn Sie mit dem Flugzeug nach Dodoma reisen, erreichen Sie die Moschee vom Flughafen aus in wenigen Minuten. Der Flughafen liegt sehr günstig nahe dem Stadtzentrum. Genau das ist jedoch zugleich ein Problem, das die Behörden lösen möchten. Wegen seiner Lage lässt sich die Start- und Landebahn nicht verlängern; grosse Flugzeuge können daher nicht abgefertigt werden, obwohl dies für die weitere Entwicklung der Stadt notwendig wäre. Damit sind wir wieder bei der Frage, weshalb Beamte, Banker, ausländische Konsuln und Unternehmer keine Eile zeigen, von Dar es Salaam in die Hauptstadt im Landesinneren umzuziehen.
Für Dodoma besteht ein Projekt für einen neuen, modernen Flughafen mit internationalem Status. Er soll nördlich der Stadt in Msalato entstehen, mit längerer Piste, besser ausgestatteter Infrastruktur und Kapazität für deutlich grössere Passagier- und Frachtflugzeuge. Sollte das Projekt umgesetzt werden, könnte es Menschen und Kapital nach Dodoma bringen und die Hauptstadt auch für Reisende attraktiver machen.
Folgen Sie von der Gaddafi Mosque der Nyerere Road, gelangen Sie ins Zentrum der Stadt: zum Nyerere Square mit einem Denkmal für Julius Nyerere. Er war der erste Präsident Tansanias und spielte eine zentrale Rolle bei der Unabhängigkeit der ehemaligen britischen Kolonie. Zugleich prägte er die Entwicklung der Republik in den ersten Jahren ihrer modernen Geschichte. Vor dem lächelnden Baba Wa Taifa, dem Vater der Nation, werden häufig Erinnerungsfotos gemacht.
In der Nähe des Nyerere Square befinden sich mehrere weitere Moscheen. Auch sonst sind sie über ganz Dodoma verteilt, sodass sich ein Rundgang zu den schönsten Bauten anbietet. Achten Sie besonders auf die Sunni Mosque, einen weissen Bau, der mit seinen grünen Kuppeln schon von weitem erkennbar ist. Wer sie tagsüber besucht, sollte am Abend nochmals vorbeigehen, wenn die Beleuchtung den Ort der muslimischen Andacht in einem anderen Licht zeigt.
In der Nähe finden Sie den eindrucksvollen Bau der anglikanischen Kathedrale und die eher schlichte lutherische Kathedrale aus rotem Backstein. Der tansanische Zweig der Anglican Communion hat zudem eine eigene Privatuniversität gegründet: die St. John's University of Tanzania. Rund um sie ist ein eigenes, sehr grünes Quartier entstanden, das beinahe wie eine Oase in der trockenen, sonnengeprägten Landschaft wirkt. Es liegt im Süden von Dodoma.
Die grösste Universität Dodomas und ganz Tansanias ist die University of Dodoma (UDOM), an der ein wichtiger Teil der künftigen hochqualifizierten Fachkräfte des Landes ausgebildet wird. Gemessen an Campusgrösse und Studierendenzahl übertrifft die University of Dodoma die University of Dar es Salaam. Zusammen mit der infrastrukturellen Entwicklung der Hauptstadt ist der Fortschritt im Bildungsbereich ein wichtiger Faktor für Dodomas weiteres Wachstum. Einen Ausflug ausserhalb der Stadt nur für den Campus würden wir allerdings nicht ausdrücklich empfehlen.
Welche weiteren Sehenswürdigkeiten gibt es in Dodoma?
Wenn Sie in der Stadt sind, lohnt ein Spaziergang durch die Strassen und ein Besuch des Central Market, Soko Kuu, an der Ndowu Road. Dort finden Sie frische Früchte, Gemüse und weitere Lebensmittel, dazu viele kleine Alltagswaren, die in den Haushalten der Hauptstadt gebraucht werden. Vielleicht ist auch etwas für Sie dabei.
Auch das Parlamentsgebäude, die National Assembly of Tanzania, bekannt als Bunge la Tanzania, ist von Interesse. Der Haken: Das Parlament tagt nur 4 Mal pro Jahr in Dodoma, während die Abgeordneten den Rest der Zeit in Dar es Salaam arbeiten. Der Zugang zum Bunge-Gebäude selbst ist daher schwierig. Dennoch ist es für neugierige Reisende lohnend, diese ungewöhnliche architektonische Struktur zumindest aus der Distanz zu suchen und zu fotografieren.
In Reiseinformationen zu Dodoma wird auch das sogenannte Geological Museum erwähnt. Erwartet man dort eine klassische Ausstellung, ist Vorsicht geboten. Tatsächlich handelt es sich um eine staatliche geologische Fachstelle, die in eigenen Laboren reguläre Forschungsarbeit leistet. Es gibt zwar Ausstellungsstücke verschiedener Gesteine, Mineralien und Fossilien, doch dürften diese vor allem für Fachleute interessant sein.
Insgesamt ist die Stadt, ehrlich gesagt, nicht besonders reich an touristischen Sehenswürdigkeiten. Vielleicht liegt der interessanteste Zugang darin, einfach durch Dodomas Strassen zu gehen, Eigenheiten afrikanischer Architektur wahrzunehmen und hübsche Gebäude oder kleine Grünflächen zu entdecken. Bis vor Kurzem konnte man vom Lion Rock über die ganze Stadt blicken; inzwischen ist dieses Gebiet von den Stadtbehörden gesperrt. Es lohnt sich daher nicht, danach zu suchen.
Bevor es weiter an den Rand der Hauptstadt und in entlegenere Gebiete Zentraltansanias geht, bleibt noch ein Blick auf den Bahnhof. Das Gebäude des Bahnhofs von Dodoma gilt als eines der Wahrzeichen der Stadt, da es zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurde. Der helle Bau stammt aus der kolonialen Phase der Landesgeschichte und erinnert an die Zeit, in der diese Gebiete unter deutscher Herrschaft standen.
Welche Geschichte hat Dodoma?
Der Bahnhof von Dodoma wurde 1910 gebaut, als die wichtige Eisenbahnlinie vom Hafen Dar es Salaam zum strategisch bedeutenden Tanganjikasee die Stadt erreichte. Damals war Dar es Salaam die wichtigste Stadt der Kolonie, und der Tanganjikasee an der Grenze zur damaligen belgischen Kolonie Kongo hatte grosse strategische Bedeutung. An der Stelle des heutigen Dodoma befand sich ursprünglich ein Dorf der lokalen Gogo, die traditionell in den Gebieten des heutigen Zentraltansanias lebten. Auf dieser Grundlage gründeten die Deutschen 1890 eine kleine koloniale Siedlung. Die Eisenbahn gab der Entwicklung der Stadt den entscheidenden Impuls; besonders unter britischer Herrschaft wuchs Dodoma deutlich.
Die Idee, die Hauptstadt aus dem an der Küste gelegenen und für feindliche Angriffe von See her verwundbaren Dar es Salaam ins Zentrum der Kolonie zu verlegen, wurde erstmals 1916 eingebracht. Dodoma galt schon damals als mögliche Hauptstadt. Später griff die britische Regierung denselben Gedanken auf, nachdem sie die deutsche Kolonie in Ostafrika gemäss dem Friedensvertrag von Versailles übernommen hatte, der den Ersten Weltkrieg beendete. Umgesetzt wurde der Plan jedoch nie.
1961, nach der Unabhängigkeit von Grossbritannien, nahmen die Tansanier die Diskussion über eine Verlegung der Hauptstadt erneut auf. Nun stand nicht mehr in erster Linie die Sicherheit der Hauptstadt im Falle eines Angriffs im Vordergrund, sondern die Entwicklung des weiten Landesinneren, wo die Distanzen zwischen den Siedlungen gross waren und die Städte nur langsam wuchsen.
Diese über Jahrzehnte geführten Gespräche erinnern an das brasilianische Beispiel, als die Hauptstadt von Rio de Janeiro in das eigens gebaute Brasília verlegt wurde. Der wesentliche Unterschied zwischen Brasilien und Tansania bestand darin, dass es dem südamerikanischen Land schliesslich gelang, ein solches Grossprojekt in kurzer Zeit umzusetzen. Gemeinsam ist beiden Fällen, dass die Entwicklung nicht vollständig nach Plan verlief.
Die endgültige Entscheidung fiel 1973 unter Präsident Julius Nyerere, dessen Statue heute auf dem zentralen Platz des modernen Dodoma steht. Damals hatte die Stadt bereits mehr als 40'000 Einwohner, bot aber weiterhin viel Raum für Wachstum. Die damalige Hauptstadt Dar es Salaam war dagegen schon überbevölkert und an die Grenzen ihrer organischen Entwicklung gestossen, was auch die lokalen natürlichen Ressourcen belastete.
Dodoma lag an der Kreuzung wichtiger Verkehrsachsen: Sie verbanden Arusha im Norden mit Mbeya im Süden sowie Dar es Salaam im Osten mit der grossen Stadt Mwanza im Nordwesten. Die Stadt war von reizvollen Landschaften umgeben und hatte stets ein angenehmes Klima: nicht zu heiss, mit Durchschnittstemperaturen von 16,5 bis 28,8 °C, und nicht zu feucht, mit einer moderaten Regenzeit etwa von Dezember bis April. Hitze und Luftfeuchtigkeit in Dar es Salaam beeinträchtigten dagegen die Arbeitsproduktivität deutlich. Zudem unterspülten Überschwemmungen die Stadt während der Regenzeiten an der Küste, die 2 Mal pro Jahr auftreten, immer wieder. Dieses Problem ist in Dar es Salaam bis heute nicht gelöst.
Insgesamt sprachen viele Faktoren für die Verlegung der tansanischen Hauptstadt nach Dodoma, und die Regierung liess 2 städtebauliche Konzepte ausarbeiten. Der erste Plan wurde 1976 vorgestellt und zeigte Dodoma als idyllische Gartenstadt. Der zweite folgte 1988, war realistischer und deutlich kostengünstiger. Seine Umsetzung begann in den 1990er-Jahren und verläuft, wie heute sichtbar ist, weiterhin schleppend. 1996 wurde das Parlament verpflichtet, 4 Mal jährlich in Dodoma zu tagen. Beamte reisen dem Vernehmen nach bis heute nur zögerlich in die Hauptstadt, die eher wie ein provinzielles Verwaltungszentrum wirkt als wie ein politisches Machtzentrum.
Die Umgebung von Dodoma
Nach dem verabschiedeten Plan sollte die Stadt sehr grün werden und zahlreiche gartenbauliche Projekte umfassen – eine urbane Version einer typischen ländlichen Siedlung. Das passte zur in den 1960er-Jahren verbreiteten Idee eines besonderen afrikanischen Sozialismus, ujamaa, der auf gemeinschaftlicher Landwirtschaft beruhte. Später, als klar wurde, dass Kapitalismus als natürlicher Weg der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes unvermeidlich war, blieb die Stadt eine Stadt. In ihrer Umgebung entstanden dennoch viele Plantagen. In der Region werden Hülsenfrüchte, vor allem Erdnüsse, Kaffee, Tabak, Getreide wie Mais, Reis und Weizen, Sorghum, Sisal, Tee und sogar Trauben angebaut. Auch die Viehwirtschaft ist entwickelt, mit besonderem Schwerpunkt auf Rindern.
Die Region Dodoma umfasst mehr als 41'000 km² und ist damit mit Ländern wie der Schweiz oder den Niederlanden vergleichbar. In die Region würden 2 Slowenien oder 4 Zypern passen. Raum für Landwirte und landwirtschaftliche Flächen ist entsprechend vorhanden.
Für viele Reisende ist wohl die unerwartetste Entdeckung, dass Tansania Rebberge und damit eine eigene Weinproduktion hat. Das bekannteste Weinland Afrikas ist Südafrika, das gemessen an der Produktionsmenge stabil auf Rang 8 der Welt liegt. Auch die Mittelmeerländer Nordafrikas sind für ihre Rebberge bekannt. Betrachtet man jedoch den Teil des Kontinents südlich der Sahara, ist Tansania die zweitgrösste Weinbauregion – und die Rebberge des Landes konzentrieren sich direkt ausserhalb von Dodoma.
Das Klima eignet sich gut für den Anbau von Trauben und die Herstellung trockener Rot- und Weissweine: Die Region ist sehr sonnig, die Luftfeuchtigkeit niedrig, der Boden sandig. Das Klima der Region Dodoma ermöglicht 2 Ernten pro Jahr. Was als missionarisches Experiment begann, entwickelte sich in Dodoma zu einer staatlich unterstützten industriellen Weinproduktion.
Die heutige Grösse des Weinbaus und die Auswahl neuer Rebsorten zeigen, dass sowohl die tansanische Regierung als auch Unternehmen grosses Interesse an diesem Bereich haben. Allein die Tatsache, dass das Tanzanian Agricultural Research Institute in den letzten Jahren den Import und Anbau neuer Weinrebsorten aus Südafrika gefördert und begleitet hat, verdeutlicht den Anspruch von Land und Region, im Weinbau ein neues Niveau zu erreichen. Auch aktuelle Studien weisen auf beträchtliches Potenzial hin: Trauben könnten nicht nur in Dodoma, sondern auch in benachbarten Regionen angebaut werden, darunter in der klimatisch geeigneten Kilimandscharo-Region.
Eine Besonderheit der Region Dodoma ist eine Rebsorte, die nur hier wächst. Sie heisst Makutupora, benannt nach dem Gebiet, in dem sie angebaut wird. Es handelt sich um eine rote Traube aus einer Gegend 20 km nördlich von Dodoma. Neben der lokalen Makutupora werden in Dodoma weitere Sorten kultiviert, darunter Chenin Blanc, Cinsaut, Aglianico, Shiraz (Syrah) und Cabernet Sauvignon.
Da es in der Region mehrere Weingüter gibt, lassen sich bei sorgfältiger Reiseplanung einige davon besuchen – oder zumindest lokale Weine degustieren. Vielleicht gehören Sie zu den ersten Reisenden, die einen tansanischen Wein kennenlernen und schätzen, der in einigen Jahren auf Weinkarten von Restaurants in anderen Teilen der Welt auftaucht, ähnlich wie dies heute bei georgischen Weinen zu beobachten ist.
Tourismus in der Region Dodoma
Dodoma liegt ausgesprochen günstig im geografischen Zentrum Tansanias. Von hier führen Strassen in alle Richtungen: zu beliebten Schutzgebieten im zentralen Teil des Landes, in den grünen Süden oder in den Norden Tansanias, wo sich die bekanntesten Reiseziele konzentrieren.
Nationalparks und Reservate bei Dodoma
Der nächstgelegene Nationalpark bei Dodoma ist der Nationalpark Ruaha, Tansanias zweitgrösster Park nach dem Nationalpark Nyerere. Im weiteren Sinn ist Ruaha Teil des Rungwa-Kizigo-Muhesi-Ökosystems, zu dem das bekannte Rungwa Reserve (Rungwa Game Reserve) sowie die Reservate Kizigo und Muhesi und die MBOMIPA Wildlife Management Area gehören. Tatsächlich liegt ein Teil des Nationalparks Ruaha in einem der südlichen Gebiete der Region Dodoma.
In Ruaha leben sowohl Kleine als auch Grosse Kudus – schöne Antilopen mit grossen, spiralförmigen Hörnern. Auch weitere Antilopenarten, darunter Grants Gazelle, kommen hier vor. Elefanten, Giraffen, Löwen, Leoparden, Geparden, Wildhunde und andere Tiere leben in grossen Populationen im Park. In den Gewässern des Ruaha-Flusses halten sich mächtige Flusspferde auf. Zudem beherbergt der Park mehr als 500 Vogelarten. Neben der vielfältigen Tierwelt gibt es interessante archäologische Stätten; zahlreiche Funde alter Felskunst wurden hier gemacht.
Im nördlichsten Teil der Region Dodoma liegt ein Abschnitt des Nationalparks Tarangire, der oft als kleine Serengeti bezeichnet wird. Tarangire ist Heimat einer grossen Zahl von Elefanten und deshalb auch als Elefantenparadies bekannt. Neben den markanten Baobabs im Tal des Tarangire-Flusses wirken diese Tiere besonders stimmig in der Landschaft. Zebras und Giraffen bewegen sich zwischen den Bäumen, Warzenschweine huschen umher, und Herden eleganter Impalas ziehen durch das Gebiet. Auch Löwen, Büffel, Geparden und grosse Elenantilopen sind hier nicht selten, ebenso viele weitere Tierarten.
Das Swagaswaga Game Reserve in der Region Dodoma ist Heimat von Elefanten, Warzenschweinen und Ducker-Antilopen, kleinen Antilopen aus Subsahara-Afrika. Auch viele weitere Antilopenarten kommen in diesem Schutzgebiet vor. Ein weiteres Reservat ist das Mkungunero Game Reserve, Teil des Tarangire-Manyara-Ökosystems. Dort lassen sich Kongoni-Kuhantilopen, Giraffengazellen (Gerenuks), Hyänen, Warzenschweine, Paviane, Zebras, Elefanten, Löwen und andere Tiere beobachten.
Wenn Sie die bekanntesten Schutzgebiete Tansanias besuchen möchten – etwa den berühmten Nationalpark Serengeti, den eindrucksvollen Ngorongoro-Krater, den höchsten Berg Afrikas, den Kilimandscharo, und seine Umgebung sowie weitere Naturziele im Norden Tansanias –, schreiben Sie unseren Spezialisten. Wir stellen für Ihre Reise nach Afrika ein passendes Programm mit Safari und weiteren Aktivitäten zusammen.
Felskunst in Kondoa
Die Region Dodoma ist bekannt für historische Monumente, die auf alte Kulturen zurückgehen, welche in diesen Gebieten lebten. Die Liste der nationalen historischen Stätten Tansanias umfasst 2 Orte, an denen Archäologen Felsmalereien entdeckt haben. Sie liegen in den Gebieten Kondoa und Bahi.
Die Felskunst von Kondoa gehört zum UNESCO-Welterbe. Kondoa liegt rund 150 km nördlich von Dodoma, in Richtung Babati. Die Zeichnungen befinden sich am sogenannten Massai-Steilhang; als Orientierungspunkt dient das Kolo Rock Museum & Tourist Information Center im Dorf Kolo. Die alten Malereien sind zahlreich und über ein grosses Gebiet verteilt.
An diesem Ort haben Wissenschaftler zwischen 150 und 450 Felsüberhänge und Schutzstellen mit Felskunst gefunden, die von Menschen der Sandawe und Massai hinterlassen wurden. Viel Wissenswertes über Kultur und Traditionen der bekanntesten afrikanischen Bevölkerungsgruppe, der Massai, finden Sie in unserem Artikel mit sorgfältig ausgewählten Bildern. Alte Massai- und Sandawe-Künstler stellten Jagdszenen, rituelle Handlungen und andere Traditionen ihrer Gemeinschaften auf den Felswänden dar. Wenn Sie mehr über die Felskunst Afrikas und insbesondere über Kondoa lesen möchten, finden Sie hier einen ausführlichen Artikel dazu.
Die Felskunstsammlung von Kondoa besteht aus einzelnen Malereien an den Wänden von steinernen Schutzstellen, flachen Höhlen und Felsabbrüchen. Häufig zeigen sie Menschen bei bestimmten Ritualen oder alltäglichen Tätigkeiten. Manchmal sind auch Silhouetten von Tieren auf den Felsen zu sehen. In der Regel wollten die alten Künstler entweder das Leben ihrer Gemeinschaft darstellen oder einzelnen Mitgliedern helfen, indem sie göttliche Kräfte anriefen – etwa zur Heilung Verwundeter, für Erfolg bei der Jagd oder um Regen zu erbitten. Die rituellen Darstellungen an den Felswänden baten um den Beistand der Geister, die die Gemeinschaft schützten.
Leider gibt es keine genaue Datierung der Felsritzungen und Malereien. Für andere Fundstücke aus den Kondoa-Stätten konnten jedoch Radiokarbonuntersuchungen durchgeführt werden, die ein Alter von mehr als 40'000 Jahren ergaben. Interessant ist auch, dass nicht alle Bilder aus so ferner Vergangenheit stammen. Einige sind vergleichsweise jung; laut Wissenschaftlern wurden mehrere Zeichnungen in den 1970er-Jahren von Mitgliedern lokaler Gemeinschaften angebracht.
Auch in Bahi wurden Höhlenmalereien gefunden, über die allerdings deutlich weniger bekannt ist. Es wird angenommen, dass ihre Urheber zum älteren Volk der Wamiya gehörten. Dessen Siedlungsgebiete wurden später von Gogo-Gemeinschaften bewohnt, die traditionell in der Region Dodoma leben. Die Gogo-Künstler verstanden die Bedeutung der ursprünglichen Bilder offenbar nicht und ergänzten sie nach eigenem Ermessen.
Die Felskunst des alten Tansania muss, ebenso wie die Olduvai-Schlucht und andere Stätten des kulturellen Erbes, noch genauer erforscht werden. Es ist zu hoffen, dass die wissenschaftliche Arbeit in dieser an historischen Monumenten reichen Region weitergeht. Neue Entdeckungen könnten noch mehr Reisende aus aller Welt anziehen.
Tansania ist damit nicht nur wegen seiner reichen Tierwelt und der grossen Tierpopulationen interessant, sondern auch wegen seiner Kulturgeschichte im weitesten Sinn – und wegen moderner Städte wie Dodoma, deren Entwicklung eigenwillig und auf ihre Weise sehenswert ist.
Alle Inhalte auf Altezza Travel entstehen mit fachlicher Einordnung und sorgfältiger Recherche, im Einklang mit unseren Redaktionsrichtlinien.
Mehr über Reisen in Tansania erfahren?
Nehmen Sie Kontakt mit unserem Team auf. Wir kennen die wichtigsten Reiseziele in Tansania aus eigener Erfahrung. Unsere Reisespezialisten am Kilimandscharo teilen gerne ihre Empfehlungen und unterstützen Sie bei der Planung Ihrer Reise.
