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Felskunststätten von Kondoa (Irangi-Felsmalereien)

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In ferner Vergangenheit malten frühe Künstler auf Felswände, um die Hilfe von Geistern zu erbitten – für die Heilung eines verletzten Angehörigen der Gruppe oder für eine erfolgreiche Jagd. Heute geben die gut erhaltenen Felsmalereien in natürlichen "Galerien" Einblick in Szenen aus dem Leben von Menschen, die vor Jahrhunderten und teils vor Jahrtausenden hier lebten. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dieser frühen Kunst liegt im Zentrum Tansanias.

Die Felskunst Afrikas

In Afrika gibt es zahlreiche bedeutende Fundorte mit Felskunst. Nur rund ein Dutzend davon gilt jedoch in kultureller und archäologischer Hinsicht als wirklich herausragend. Die meisten dieser gut erhaltenen und bemerkenswert ausdrucksstarken Stätten liegen in der Sahara sowie im Süden und Osten des Kontinents – in Regionen mit felsigen Gebirgen oder trockenen Sandlandschaften, die auf ein nicht allzu feuchtes Klima hinweisen.

In Ostafrika befinden sich 2 solcher Stätten in der Nähe des Great Rift Valley: Kondoa in Tansania und Chongoni in Malawi. Beide gehören zum UNESCO-Welterbe. Kondoa liegt im gleichnamigen Gebiet nahe dem Dorf Kolo, in der zentralen Region des Landes, in der sich auch die tansanische Hauptstadt Dodoma befindet. Von Arusha nach Dodoma liegt Kondoa ungefähr auf halber Strecke an der Fernstrasse A104.

Wenn Sie die Strasse verlassen und zu den felsigen Vorsprüngen hinaufgehen, erreichen Sie natürliche steinerne "Balkone" mit überhängenden Wänden, auf denen die bekannten alten Zeichnungen erhalten geblieben sind. Typisch für die Felskunst hier sind feine Darstellungen in rotem Ocker: Menschen und verschiedene Tiere beim Laufen, Jagen oder bei anderen Tätigkeiten. Nach den kühnsten Schätzungen könnten einige dieser Zeichnungen mehr als 20'000 Jahre alt sein.

Kofi Annan, der bekannte in Ghana geborene 7. Generalsekretär der Vereinten Nationen, bezeichnete die afrikanische Felskunst als eines der ältesten Denkmäler menschlichen Denkens auf der Erde. Diese prähistorische Kunst bewahrt Geschichten, die aus den frühen Anfängen der menschlichen Vorstellungskraft entstanden. Wer zu diesen bemerkenswerten alten Felskunststätten reist, erhält einen seltenen Blick in eine sehr frühe Lebenswelt.

Was zeigen die Zeichnungen von Kondoa?

Das Maasai-Steilplateau gehört zu den Orten in Tansania, an denen sich herausragende Beispiele alter Felskunst finden. Direkt daneben liegt ein weites Tal, durch das einst die Maasai-Gruppen der kriegerischen Viehhirten mit ihren Herden über fruchtbares Land zogen. Neben den Maasai lebten auch andere Völker in dieser ergiebigen Landschaft. Auf den Felswänden hielten frühe Künstler ihr einfaches Leben fest. Zu sehen sind Jagdszenen, Rituale zur Regenbitte, Tiere beim ruhigen Grasen in der Savanne und vieles mehr. Die Zeichnungen sind auf eine stille Weise fesselnd; beim Betrachten dieser alten Bildwelten beginnt die Vorstellungskraft unweigerlich zu arbeiten. Die Silhouetten eigenartiger Wesen, fast wie von ungeübter Kinderhand gezeichnet, lassen vertraute Tiere rasch erkennen: Giraffen, Antilopen und seltener Elefanten oder Flusspferde. Wenn jedoch mehrere Menschen in den Skizzen erscheinen, wird es deutlich schwieriger, Details zu deuten und den Ablauf zu verstehen.

Die Zeichnung oben zeigt 3 Menschen, die einen langen Gegenstand halten, der wie ein Stock aussieht. Doch was genau ist es? Auf ihren Köpfen tragen sie ebenfalls grosse Gegenstände. Sind es vielleicht geflochtene Körbe, wie sie auf dem Land bis heute üblich sind und sogar in Städten noch zu sehen sein können? Ohne spezielles Wissen lässt sich manchmal kaum erahnen, womit die dargestellten Menschen beschäftigt sind. Was halten sie in den Händen? Was tun sie? Warum haben viele von ihnen unverhältnismässig grosse Köpfe? Handelt es sich um Haarbüschel, oder meinten die Künstler etwas anderes und ihre Botschaften hatten eine übernatürliche Bedeutung?

Die Bedeutung dieser Zeichnungen zu entschlüsseln, ist anspruchsvoll. Viele Motive sind für Fachleute jedoch nachvollziehbar und lassen sich logisch interpretieren. Die 7 grossen, frei stehenden Figuren mit langen Stöcken in den Händen gelten zum Beispiel als Frauen mit Stösseln zum Mahlen. Solche hölzernen Mörser und Stössel sind in einem nahe gelegenen Museum ausgestellt, das mehrere ungewöhnliche Relikte bewahrt. Eine weitere sehr interessante und bekannte Malerei mit dem Titel "The Abduction" zeigt in der Mitte eine Frau, die von 2 Männern auf jeder Seite an den Armen gezogen wird – 2 links und 2 rechts. Die Männer rechts tragen Masken. Man nimmt an, dass es Männer aus einer anderen Gruppe waren, die das Mädchen entführen wollten. Die 2 Männer links versuchen, die Entführung zu verhindern.

T-Shirt mit der Aufschrift
T-Shirt mit der Aufschrift "Abduction was fought even before history" im Kondoa Rock Art Museum
Der Guide zeigt auf die Malerei
Der Guide zeigt auf die Malerei "Abduction"

Wichtig bleibt jedoch: Jede Deutung von Bildern, die von frühen Künstlern geschaffen wurden, ist letztlich eine Interpretation. Es gibt keine Gewissheit, dass ein Mann mit einem Stock neben einem Elefanten tatsächlich jagt. Ebenso gut könnte er auf andere, friedliche Weise mit dem Tier in Beziehung stehen. Auch die weithin bekannte Entführungsszene kann ein Tanz oder eine rituelle Handlung gewesen sein. Die genaue Auslegung der Malereien sollte Wissenschaftlern überlassen bleiben, die mit dem Leben und den Glaubensvorstellungen der Völker vertraut sind, die einst in dieser Gegend lebten. Sicher bekannt ist nur wenig: Weder das exakte Entstehungsdatum der Felszeichnungen noch die Namen der Gruppen, aus denen die Künstler stammten, oder die dargestellten Rituale lassen sich zuverlässig bestimmen. Genau deshalb stellt sich die Frage, was wir über die Zeichnungen von Kondoa überhaupt mit Sicherheit wissen. Trotz der fehlenden präzisen Informationen bleibt die reduzierte Schönheit dieser Felszeichnungen sichtbar – und ihre stille Wirkung reicht über Jahrtausende bis in unsere Gegenwart.

Rätsel und Herkunftstheorien

Die plausibelste Schätzung geht heute davon aus, dass die ältesten Zeichnungen zwischen 5'000 und 7'000 Jahre alt sind. So wird es zumindest im lokalen Museum vermittelt, das sich auf die allgemein genannte Zahl von 6'000 Jahren bezieht. Die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, UNESCO, formuliert vorsichtiger und spricht davon, dass die Bilder mindestens 2'000 Jahre alt sind. Einzelne Forschende halten die Zeichnungen allerdings für deutlich älter.

Das genaue Alter der Zeichnungen lässt sich nicht bestimmen. In Kondoa wurden jedoch mehrere frühe Siedlungsplätze des Menschen entdeckt. Archäologen fanden dort verschiedene Objekte wie Perlen, Steinwerkzeuge und Keramik. Radiokarbonanalysen ergeben Datierungen von mehreren Zehntausend Jahren. Auch wenn die Zeichnungen nicht zwingend mit den ausgegrabenen Objekten zusammenhängen, ist klar, dass diese Gebiete seit ungezählten Jahrtausenden bewohnt waren.

Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt der Felskunst von Kondoa ist, dass bis in jüngste Zeit neue Zeichnungen entstanden. Es ist dokumentiert, dass Vertreter des Sandawe-Volkes in den 1970er-Jahren neue Bilder auf die Felsen auftrugen. Sie taten dies aus rituellen Gründen: um vor der Jagd ein Tier darzustellen, das sie töten wollten, um Regen oder Heilung zu erbitten oder um sich an den Clangeist zu wenden, der einem bestimmten Hügel der Region zugeordnet war. Wissenschaftler verweisen auf die erstaunliche Lebendigkeit und Kontinuität der bildlichen Traditionen dieser Gegend.

Beeindruckend ist in jedem Fall, dass viele Bilder gut erhalten sind, obwohl sie sich nicht in Höhlen, sondern in relativ offenen Bereichen befinden. Die wichtigsten natürlichen Belastungen für Felskunst sind Sonne, Wind und Regen. Die Felswände sind jedoch durch ihre Lage gut vor Verwitterung geschützt: Alle steinernen "Balkone" sind von den vorherrschenden Winden der Region abgewandt. Bäume schützen die Felsen vor Regen und direkter Sonneneinstrahlung. Gleichzeitig halten sie Grundwasser zurück und verhindern, dass es über die steilen Steinflächen abfliesst. Diese Felsen haben den Elementen über Tausende von Jahren standgehalten, und viele Bilder sind in bemerkenswert gutem Zustand erhalten.

Ein einziger, besonders aktiver Gegner bleibt: der Mensch. Werden Bäume gefällt, liegen die Felsmalereien ungeschützt frei. Bekannt sind Fälle illegaler Gewinnung von Granitsplittern nahe bemalter Felsen und sogar Grabungen unter den Felsen, ausgelöst durch Gerüchte über vergrabenes Gold der Deutschen. Auch Vandalismus stellt eine Gefahr dar – alte Malereien werden verändert oder ausgelöscht. Dies geschieht durch einzelne Besucher oder auch durch Einheimische, die in der Nähe der Zeichnungen weiterhin Rituale durchführen. Es gab Fälle, in denen Bier und Tierfett im Rahmen eines Rituals zur Regenbitte auf die Zeichnungen gegossen wurden. Zugleich ist bemerkenswert, dass die Bilder bis heute in Ritualen genutzt werden, wie schon vor Jahrhunderten. Das verweist auf die aussergewöhnliche Dauerhaftigkeit der lokalen traditionellen Kultur.

Wer waren die Künstler?

Wer hat diese Bilder hinterlassen? Eine endgültige Antwort gibt es nicht. Am weitesten verbreitet ist die Ansicht, dass die Künstler Vorfahren der heutigen Sandawe waren, die in der Region Dodoma leben. Aus den Zeichnungen geht hervor, dass sie nicht nur von früheren Jägern und Sammlern geschaffen wurden, sondern auch von Hirtenvölkern, die diese Landschaft später erschlossen. Zwischen ihren kulturellen Traditionen ist ein deutlich sichtbarer Unterschied erkennbar: Die älteren Zeichnungen wurden mit rotem und gelblichem Ocker ausgeführt, die neueren meist mit weisser Farbe auf Kaolinbasis und vereinzelt mit schwarzer Farbe. Die alten roten Zeichnungen zeigen vor allem Menschen und Tiere. Die weissen Zeichnungen wirken stärker abstrakt; häufig sind darin verschiedene geometrische Formen zu erkennen.

Wenn man die Völker, die diese Felskunst schufen, genauer einzuordnen versucht, waren es höchstwahrscheinlich die Batwa, die in Tansania fast verschwunden sind, sowie die Vorfahren der Sandawe und Hadza, die traditionell in dieser Region lebten. Bis vor Kurzem wurden sie mit grosser Sicherheit der isolierten Khoisan-Gruppe zugeordnet, doch neuere genetische Forschungen haben diese Theorie infrage gestellt. Die Ähnlichkeit der Sandawe- und Hadza-Sprachen mit den Khoisan-Sprachen deutet jedoch auf eine Verwandtschaft dieser Bewohner Zentraltansanias mit den Khoisan im südlichen Afrika hin.

Interessant wäre es, Verbindungen nachzuzeichnen und Gemeinsamkeiten oder Unterschiede in Techniken und Ritualen zwischen der Felskunst von Kondoa in Zentraltansania und den Zeichnungen in Simbabwe, Namibia, Botsuana, Eswatini und Südafrika zu erkennen, wo Khoisan-Völker isoliert lebten. Eine der Schwierigkeiten besteht allerdings darin, dass selbst in Tansania noch nicht alle Felsüberhänge mit Zeichnungen untersucht sind. Viele der entdeckten Stätten sind zudem noch nicht ausreichend dokumentiert. Nicht einmal die genaue Zahl einzelner Fundorte mit Zeichnungen ist bekannt. Je nach Schätzung gibt es zwischen 150 und 450 Stätten, möglicherweise mehr. Nur einige davon sind für Besucher zugänglich. Die Gesamtzahl der gefundenen Zeichnungen liegt bei etwa 1'500.

Nach Ansicht von Kofi Annan ist die vielleicht grösste Gefahr für Felskunst die Vernachlässigung: Wenn das Interesse offizieller Stellen fehlt und zugleich Mittel für Erforschung und Schutz dieser Kulturerbestätten ausbleiben, bleiben sie verwundbar. Die Untersuchung der Zeichnungen, die in den 1950er-Jahren von der Paläontologin Mary Leakey begonnen wurde, sollte weitergeführt werden. Die Felskunst Tansanias wartet noch auf ihre Forschenden. Bereits erwähnte Orte wie Kolo 1 mit seinem erschlossenen Zugang empfangen Besucher, die zur Bekanntheit und Finanzierung solcher Stätten beitragen. Diese alten Orte eröffnen auf Ihrer Safari in Afrika einen seltenen Blick weit zurück in die Zeit – zu einigen der frühesten Zeugnisse menschlicher Kunst und Kultur.

Wie besuchen Sie die Felskunst von Kondoa?

Ein Besuch in Kolo, wo sich 3 der beliebtesten Felskunststätten und ein kleines Museum befinden, ist separat möglich oder lässt sich mit Besuchen in Nationalparks wie dem Tarangire-Nationalpark und dem Manyara-Nationalpark kombinieren. Auch der Arusha-Nationalpark liegt vergleichsweise nahe.

Kondoa erreichen Sie von Arusha aus mit dem Auto in 3,5 Stunden. Die Besichtigung selbst dauert rund 1,5 Stunden. Zu den Zeichnungen führt eine Treppe hinauf, der Aufstieg ist jedoch nicht hoch.

Wenn Sie die bekannten Felskunststätten in Tansania besuchen möchten, schreiben Sie unserem Reiseberater. Altezza Travel nimmt den Ausflug gerne in Ihr Safariprogramm auf.

Veröffentlicht am 15 Dezember 2022
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Über den Autor
Yurii Bogorodskiy

Yuri ist festangestellter Researcher und Autor bei Altezza Travel und lebt seit 2019 in Tansania. Er hat viele der weniger bekannten Reiseziele des Landes bereist, darunter die Nationalparks Kitulo und Rubondo, den Viktoriasee, Sansibar sowie zahlreiche historische, natürliche und archäologische Stätten.

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